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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1900-01-01 · Heft 3 · p. Seite 112

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
44 (1900)
Issue
Heft 3
Article
Das Adlergesicht im vierten Esrabuche
Date
1900-01-01
Page
Seite 112 (sequence 16)
Language
German
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112 Das Adlergesicht im vierten Esrabuche. Gemellus, Scribonianus, Britanniens, Nymplridius Sabinus nnd Piso; die drei Häupter endlich sind die drei Flavier. Als dann das Erwartete nicht eintrat lind nach Beendigung des Bar-Kochba-Krieges die Weltlage wieder eine ähnliche und die Sehnsucht der Juden nach dem wahren Messias eine gesteigerte war, zog man wieder das Buch Esra hervor. Es konnte bleiben, wie es war, nur das Adlergesicht musste umgedeutet werden. Schwingen und Häupter liessen sich leicht umdeuten, sie bedeuteten ja regierende Cäsaren. Da nun aber die Flavier als Schwingen gezählt werden mussten, erhöhte sich ihre Zahl auf zwölf, avährend die Zahl der Häupter drei blieb: Trajan, Hadrian und Antoninus Pius. Aber die Deutung der Gegen schwingen war dem Ueber arbeite!’ abhanden gekommen. Sie waren eine gegebene Grösse, die er nicht einfach zu streichen wagte. So behielt er die Zahl bei und deutete sie in seiner Weise um. Zwei erheben sich während der Regierungszeit der Schwingen, entweder kennt er noch zwei der Gegenkaiser oder er denkt an Marc Anton und Lepidus. Vier setzt er in die Nervazeit, die er mit der Zeit zwischen Neros Ausgang und Vespasians Anfang verwechselt. Und die beiden letzten spart er für die Endzeit auf: Marc Aurel und Lucius Veras. Man könnte nun die Frage aufwerfen: Ist es nicht einfacher, das Buch mitsamt dem Adlergesicht ganz in die Zeit des Antoninus Pius, also um das Jahr 140 zu verlegen? Wenn 'wir das ablehnen, so bestimmen uns wesentlich die Häupter und die Nebenschwingen dazu. Die Häupter stellen, — wenn irgend etwas klar ist, so ist das klar, — ursprünglich die drei Flavier vor. Der erste Regent aus dem Hause soll durch keinen Gewaltact, sondern auf seinem Bette sterben, aber unter Qualen. Das ist Yespasian. Der zweite stirbt durch des dritten Hand, aber dieser muss auch durchs Schwert umkommen. Da liegt die Bezugnahme auf Titus und Domitian klar vor unseren Augen, wenn wir in Erinnerung behalten, dass das Volk an der Schuld Domitians an Titus Tode glaubte. Und Domitian wurde ja ermordet. Auch wenn die Häupter als arge Bedrücker bezeichnet werden, die alle Ungerechtigkeiten wiederholen und sein Schicksal vollenden werden, so kann ein Jude das von den Flaviern besser sagen als von Trajan und seinen beiden Nachfolgern, zumal da im Anfang der Regierungszeit Antoninus Pius ein derartiges Urtheil über ihn vorschnell, am Ende seiner Regierungszeit aber ungerecht gewesen wäre. Nun räumen wir

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