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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1900-01-01 · Heft 3 · p. Seite 110

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
44 (1900)
Issue
Heft 3
Article
Das Adlergesicht im vierten Esrabuche
Date
1900-01-01
Page
Seite 110 (sequence 14)
Language
German
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110 Das Adlcrgesicht im vierten Esrabuche. die Juden eingenommen zu haben. Das Ende von allem war Bar Kochbas Aufstand und ein Krieg, der mindestens so blutig und grausam ausfiel als der Tituskrieg, nur dass er keinen Geschichtsschreiber fand und wir über ihn nicht so unterrichtet sind. Dumpfes Kachebröten, Erwartung himmlischer und irdischer Hilfe und verzweifelte Aufstand versuche erfüllten die letzten Jahre. Was Wunder, wenn einzelne Einzelheiten nicht mehr fest im Gedächtniss hafteten, namentlich solche, welche die Juden nicht unmittelbar angingen? Was Wunder, wenn nun die Zeit nach NeroYTode, wo das gewaltige Römerreich wirklich in Stücke zu gehen drohte, und die Zeit Nervals, wo die Juden ein ähnliches Schicksal desselben hofften und erwarteten, 40 Jahre später mit einander verwechselt werden konnten? Sind mithin die 1 2 Flügel die Cäsaren von Julius Cäsar bis Domitian — Galba, Otho und Vitellius mit eingeschlossen — und hat der Ueberarbeiter die Zeit nach Nero’s Tode mit der Nervazeit identifiziert, bezw. verwechselt, so sind wir natürlich nicht in der Lage., die 4 Regenten namhaft zu machen, welche die 16 Monate ausfüllen sollen, die zwischen Domitians Ausgang und Trajans Anfang liegen. Für die Zeit liegen überhaupt keine Namen vor, für die Zeit, mit welcher unser Ueberarbeiter sie verwechselt, annähernd ein Dutzend. Welche er meinte, ist nicht leicht zu sagen, um so schwerer noch, als er an die Zahl 8 gebunden war, die er im alten Gesicht vorgefunden hatte und die er nicht mehr zu deuten wusste. ״Die Flügel sind Könige, die einer nach dem andern regieren,“ das war einfach zu verstehen und leicht zu ändern, als es statt 0 nun 12 geworden waren. Die acht Gegenschwingen sollten aber auch Könige, aber von geringerer Macht sein: das stand lest und doch wollte er sich dabei etwas denken. Zwei aus der Zeit der zwölf ersten Cäsaren kannte er, zwei für die Endzeit hatte er, wie wir gleich sehen werden, auch. So blieben noch vier übrig, mit der er die Pause zwischen dem Regiment der Flügel und der Häupter ausfüllte. Die Rechnung musste richtig sein, denn sie stimmte, für einen Apokalyptiker die Hauptsache. Die drei Häupter sind für den Ausleger nun Trajan, Hadrian und Antoninus Pius. Die Prädikate stimmen freilich besser auf die Flavier als auf diese drei Herren. Denn aller־־ dings mächtiger als ihre Vorgänger, auch als die Flavier, mochten die Drei genannt werden, und das Prädikat gewaltthätig mochten die Juden Männern wie Trajan und Hadrian

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