Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Das Adlergesicht im vierten Esrabuche
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 109 (sequence 13)
- Language
- German
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109 I>i1s Adlcrgesicht im vierten Esrabuche. ob er zu zählen sei oder nicht, selbst dann noch, nenn man, wie auch wir an diesem Orte, Galba, Otho und Vitellius für voll zählt, denn Nerva bestieg als kranker Mann den Thron und konnte nicht der Begründer einer Dynastie werden. Aber wenn er auch mit der einen Gegenschwinge gemeint ist, so fehlt für die andern lediglich alles, sogar die Namen stehen nicht zur Verfügung. Die Schwierigkeiten aber schwinden, wenn wir annehmen, der Bearbeiter habe die Regierungszeit Nervas mit der Zeit verwechselt, die zwischen Neros Tode und dem Anfang Vespasians lag. Die Frage ist nur, ob eine derartige Verwechselung etwa 40 Jahre später möglich war. Nun muss anerkannt werden, dass nach der Ermordung des Nero und Domitian die Verhältnisse ähnlich lagen. Beide Male stirbt ein blutiger Regent eines gewaltsamen Todes; beide Male ergreift ein Greis die Zügel der Regierung, hier Nerva, dort Galba; beide Male bringt ein General von auswärts dem Reiche Ruhe und Frieden und eine kraftvolle Regierung, hier Trajan, dort Vespasian; beide Male sind auch die Juden in gespannter Erwartung der Dinge, die da kommen sollen, denn beide Male sind die messianischen Erwartungen hoch gespannt: hier, weil man im Sturz der Flavier das Vorspiel zur Rache Gottes an Rom sah, dort, weil man im Ghetto Roms gespannten Blickes nach Judäa hinüberschaute, wo man die Wolken sich um Jerusalem zusammenziehen sah und unmöglich glaubte, dass Gott seine Stadt und sein Haus preisgeben könne; glaubte solches doch nicht einmal der christliche Apokalyptiker. So war beide Male die Weltlage im allgemeinen und die Lage der römischen Juden im besonderen sich ähnlich, und seit den Tagen Nerva’s hatten die Juden merkwürdige Zeiten durchlebt. Der grosse Judenaufstand in allen Theilen des Orientes hatte deutlich genug gezeigt, dass die Juden selbe!־ willens genug waren, das messianisc-he Reich mit dem Schwerte in der Faust schaffen zu helfen. Und als kurz nach seiner Beendigung Trajan starb, kam Hadrian mit dem Versprechen eines Tempelbaus und trieb neuerdings die Erwartungen des Judenthums auf eine bedeutende Höhe. Die sibyll-inischen Orakel, die ein Jude aus Alexandria zu Beginn seiner Herrschaft dichtete und ihm vielleicht auch zugänglich zu machen wusste, feiern in nicht misszuverstehend er Weise den ״herrlichen dunkelgelockten Cäsaren, der eines Mannes Namen trägt“. Wie es scheint, entzweite man sich über Einzelheiten und, ob mit Recht oder Unrecht, bezichtigt de!־ Talmud wieder die Samariter, den Kaiser gegen