Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Das Adlergesicht im vierten Esrabuche
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 108 (sequence 12)
- Language
- German
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108 Das Acllergesichfc im vierten Esrabuche. da und verschwinden, und dann wird gesagt, dass sechs von den Flügeln ahstammende Gegenschwingen noch nicht erschienen sind, die damit angedeuteten Regenten haben mithin noch nicht geherrscht. Nach dem Verschwinden der zwölf Flügel und der zwei Gegenschwingen tritt also eine Art von Pause ein. Dann erheben sich zwei Gegenschwingen, werden aber von dem einen Haupte verschlungen, welches dann auch verschwindet, und das rechte Haupt wird von dem auf der linken Seite verschlungen und nun erscheint der Messias unter dem Bilde eines Löwen aus dem Walde und flucht dem Adler, das Haupt verschwindet, die vier übrigen Gegenschwingen erheben sich, eine Zeit voll Unruhe beginnt und schliesslich verbrennt der Adler. Die Deutung folgt dem Bilde, nur ist sie mehr von störendem Bei״ werk frei und übersichtlicher. Die zwölf Könige, die einer nach dem andern herrschen, sind durch die Flügel, acht Könige von unruhiger und kurzer Regierungszeit durch die acht Gegenschwingen angedeutet, die drei Könige der letzten Zeit aber durch die drei Häupter. Zwischen der Regierung der Flügel und der Häupter liegt auch hier eine Pause; unter den Gegensclwingen aber gehen zwei schnell zu Grunde, vier dauern etwas länger und zwei werden bis ans Ende aufgespart, wie es scheint, bis der Löwe, der Messias, erscheint. Sind die zwölf Flügel zwölf hintereinander regierende Könige, deren zweiter Augustus ist, so sind wir mit dem zwölften bei Domitian angelangt. Nun tritt aber die Pause ein, in der, wie es scheint, wenigstens einige der Gegenschwingen und zwar vier, anzubringen sind. Bei der Scheidung in zwei und vier und zwei hat sich der Redactor sicherlich etwas gedacht, nur ist es schwer für uns Fernstehende, seine Gedanken zu errathen. Verschwinden aber die beiden Gegenschwingen, wie im Gesiebt selber, schon zur Zeit der zwölf Flügel, so liegt es nahe genug, an Marcus Antonius und Lepidus zu denken, die mit Octavianus Augustus das zweite Triumvirat bildeten und deren Andenken auch um die Mitte des 2. Jahrhunderts im Judenviertel zu Rom noch nicht erloschen zu sein brauchte. * Oder man hatte noch eine Ahnung von der ursprüngiiehen Deutung der acht Gegenschwingen, konnte aber die. Kronprätendenten nicht alle mehr namhaft machen, sondern kannte nur noch zwei mit Namen. Aber für vier sozusagen illegitime und kurz regierende Könige fehlen uns in der Zeit nach der Ermordung Domitians die Namen. Nerva regierte allerdings nur wenige Monate, und es konnten Zweifel auftauchen,