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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1900-01-01 · Heft 3 · p. Seite 106

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
44 (1900)
Issue
Heft 3
Article
Das Adlergesicht im vierten Esrabuche
Date
1900-01-01
Page
Seite 106 (sequence 10)
Language
German
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106 Das Acllergesiclit im vierten Esrabuche. kaum möglich sein, die Sache anders zu deuten. Nun hat ja freilich die Sache insofern Schwierigkeiten, als in diesen Tagen so manche Feldherrn sich den Purpur anmaassten. Aber Galba wird doch seinen Hauptgegner in dem Gardepräfecten Nymphidius Sahinus gesucht haben, der ihm gerade in der Hauptstadt zu schaffen machte, und Otho hatte ja erst die Hoffnung, von Galba adoptirt zu werden, bis er sah, dass Piso ihm vorgezogen wurde. Erst dann wurde es ihm klar, dass er eine Schilderhebung veranstalten müsse, als diese Hoffnung zu Wasser gegangen war. So haben wir denn auf der einen Seite acht Flügel herausgebracht: Cäsar, Augustus, Tiberius, Caligula, Claudius, Nero, Galba und Otho und auf der anderen acht Gegenschwingen: Fompejus, Marcus Antonius, Germanicus, Tiberius Gemellus, Scriboniauus, Britanniens, Nymphidius Sabinus und Piso. Als neunter Flügel könnte Vespasians Bivale Yitellius gezählt worden sein, aber er konnte naturgemäss keine Gegenschwinge erhalten, da seine Gegenschwinge Yespasian als Haupt des Adlers mitgezählt wird und nicht zweimal gerechnet werden kann. So haben wir einen Adler mit neun Flügeln und acht Gegenschwingen, weil der neunte Flügel keine Gegenschwinge erhalten konnte. Hie Symmetrie bleibt gewahrt, so gut es bei einer rechnenden Phantasie möglich ist. Auch die drei Häupter erklären sich ganz ungezwungen auf die Flavier, wie bereits oben nachgewiesen wurde. Auch die messianische Erwartung nach dem Tode Domitians ist erklärlich. Als Yespasian den Purpur nahm, war er das Haupt eines blühenden Geschlechtes, das eine Ewigkeit regieren zu sollen schien. Kaum ein Menschenalter später war kein Regierungsfähiger des Hauses mehr am Leben. War das nicht Gottes Strafe und Rache über die Vorwüster seines Hauses in Jerusalem? Zudem waren die Tage Nerva’s bei seiner Thronbesteigung bereits gezählt, eine lange Regierung traute ihm keiner zu, und einen Thronerben hatte er nicht. Zwar hatte er den Trajan adoptirt, aber Niemand konnte wissen, ob die übrigen Generale sich diesem unterordnen würden. Leicht konnten die Tage allgemeiner Verwirrung, wrie man sie nach dem Tode Nero’s gesehen, wiederkehren, und der jüdische Seher hatte so unrecht nicht, wenn er die Zeit nahe glaubte, da der Messias an den Adler sein Fluchwort richtet und eine neue Weltzeit bringt. Die Zeit war günstig. Nun stimmt■ zu dieser einfachen Erklärung allerdings weder das Gesiebt, noch seine Deutung in der heute vorliegenden

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