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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1900-01-01 · Heft 3 · p. Seite 105

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
44 (1900)
Issue
Heft 3
Article
Das Adlergesicht im vierten Esrabuche
Date
1900-01-01
Page
Seite 105 (sequence 9)
Language
German
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Das Adlergesicht im vierten Esrabuche. 105 schwingen die Flügel der linken Seite, und als bildeten je eine Schwinge von der rechten und eine Gegenschwinge von der linken Seite ein Flügelpaar? Wir wollen an der Hand der römischen Geschichte einmal der Deutung nachgehen. Der erste Flügel ist ohne jeden Zweifel Julius Cäsar und seine Gegenschwinge ist Ponipejns, denn eine Zeitlang konnte es zweifelhaft erscheinen, wer von den Beiden des Reiches Herrscher werden sollte. Das zweite Paar wäre dann Octavianus Augustus und Marcus Antonius, die auch bis zur Schlacht von Actium Rivalen waren. Des dritten Herrschers, Tiberius, Gegenschwinge wäre Germanicus, den das Heer {Tatsächlich zum Regenten begehrte und der nur nach Asien gesandt wurde, und vielleicht eines unnatürlichen Todes sterben musste, weil. Tiberius in ihm den gefährlichen Nebenbuhler sah. Gaius Cäsar, der unter dem Spitznamen Caligula fortlebt, hatte wenigstens in den ersten Tagen den Tiberius Gemellus zu fürchten, zumal der menschenscheue Vorgänger in den letzten Tagen seiner Regierung nicht wusste, wem von beiden er die Herrschaft zuwenden sollte. Claudius war persönlich zu unbedeutend, als dass man es für nöthig gehalten hätte, ihm das Bischen Krone zu rauben, die Kämpfe drehten sich meist um die Frage, wer für ihn das Regiment führen sollte. Doch weiss noch in den ersten Tagen der Hadrianszeit Sueton von einem Statthalter in Dalmatien, Furius Camillus Scribonianus zu berichten, der thatsächlich den Purpur genommen hat und nur durch ungünstige Vorzeichen verhindert wurde, dem Reiche einen Bürgerkrieg zu geben. Auch im Ghetto von Rom mochte um die Wende des Jahrhunderts die Kunde von diesem Aufstande nicht erloschen sein, zumal da damals noch Zeitgenossen desselben am Leben waren und der neue Esra für sein Bild nach Quellen suchte. Für Nero spielte Britanniens genau die Rolle, die Germanicus für Tiberius spielte. Er selber war vielleicht bei seiner Er־ mordung noch kaum fähig, die Rolle zu spielen, die ihm der argwöhnische Hof zutraute, aber der Verdacht war nun einmal rege, und schliesslich hätte der kaum fünfzehnjährige Britannicus wohl ebenso gut regieren können, als clerÄsechzehnjährige Nero. Dass Nero ihn fürchtete, ist liier wohl die Hauptsache. Nach Nero’s Tode ist es erheblich schwieriger, Flügel und Gegenschwingen auseinander zu halten. Dass der neue Esra aber auch in dieser Zeit Leute hatte, die er als Flügel zählte, geht aus Cap. 11, V. 20 hervor, in dem er von Herrschern redet, die nur sehr kurze Zeit regierten, wenigstens wird es

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