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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1900-01-01 · Heft 3 · p. Seite 103

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
44 (1900)
Issue
Heft 3
Article
Das Adlergesicht im vierten Esrabuche
Date
1900-01-01
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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Das Adlergesicht im vierten Esrabuche. 103 dorbenen Herrscher des c 1 andiscli-Juliseben Hauses, konnte ein Jude immer behaupten, dass sie das Siindenmaass des Adlers vollmache, ohne dass man ihm bedeutende Uebertreibung Schuld geben kann. Sein nationaler Standpunkt entschuldigt ihn. Auch was über das Ende der Flavier gesagt wird, passt zu dem, was der neue Esra über das Ende der drei Häupter weiss. Das erste Haupt wird auf seinem Bette sterben, wenn auch unter Qualen. Eines leichten Todes ist nun auch Yespasian nicht gestorben und in seinem Scherz: ״Weh, nun werde ich ein Gott!“ liegt doch wohl auch ein Stück Todesfurcht. Von den übrigen beiden Häuptern heisst es nun, dass das Schwert des einen das andere fassen wird, aber es muss doch auch durchs Scliwert fallen. Nun ist ja freilich Titus auch auf seinem Bette gestorben, aber im Volke hat man an eine natürliehe Todesursache nie recht glauben wollen. Je und je ist wieder behauptet worden, dass sein Bruder und Nachfolger Domitian nicht unschuldig an seinem Tode gewesen sei. Was Wunder also, wenn der neue Esra dem Gerüchte auch Glauben geschenkt hat. Domitians gewaltsames Ende aber ist bekannt. Sind nun die drei Flavier die drei Häupter des Adlers, so sind noch die zwölf Flügel und die acht Gegenschwingen zu deuten. Es kommen zunächst die sechs Julier von Cäsar bis Nero in Betracht. Von da bis Vespasians Erhebung liessen sich nun ja wohl sechs Prätendenten namhaft machen, die mit mehr oder minder Recht auf den Cäsarentitel Anspruch erheben könnten. Aber von einem Nacheinanderregieren könnte dann doch keine Rede mehr sein und herkömmlich hat man doch immer nur, wenn man sie überhaupt zählte, Galba, Otho und Vitellius gezählt und schliesslich soll für die Gegen schwingen auch noch etwas übrig bleiben, denn die Deutung des Adlergesichtes im Esrabuche lässt doch keine andere Auflassung zu, als dass darunter Gegenkaiser verstanden werden sollen. Man hat nun gemeint, die Zahl, zwölf sei überhaupt nicht buchstäblich zu nehmen, oder gar, sie beruhe auf einer falschen Zählung. Im ersteren Falle würde sie irreleiten, auch den Kundigen, während der Prophet doch eben durch dieses Adlergesicht den Kundigen einen deutliche]] Fingerzeig geben will, einen Wink zum besseren Verständniss seiner Weissagung. Und in den Schlüssel zum Verständniss eines Werkes bringt doch niemand eine absichtliche Verwirrung. Aber auch eine falsche Zählung dürfen wir unserem Propheten nicht zumuthen. Wenn er weiss, dass Julius Cäsar nur kurze Zeit regieren wird,

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