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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1900-01-01 · Heft 3 · p. Seite 101

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
44 (1900)
Issue
Heft 3
Article
Das Adlergesicht im vierten Esrabuche
Date
1900-01-01
Page
Seite 101 (sequence 5)
Language
German
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Das Adlergesicht im vierten Esrabuche. 101 zweiten Angnstns zu verstehen ist. Uebergehen wir nun Galba, Otho und Vitellius, die ihrer kurzen Kegierungszeit halber und weil sie doch nicht im ganzen Eeiche anerkannt waren als Gegen schwingen gerechnet werden könnten, so ist der fünfzehnte Kaiser Commodus, nach dessen Ermordung das Römerreich wieder einmal auseinander zu fallen schien und in welcher Zeit, im Jahre 1.98, ein gläubiger Jude wohl den Messias erwarten mochte. Aber wir erfahren durchaus nicht, dass um diese Zeit die Juden ähnlicher Hoffnungen sich getrösteten. Solche Hoffnungen würden ohne Zweifel ihre christlichen Gegner auf den Plan gerufen haben und aus den Schriften der damals blühenden Kirchenväter würden wir ohne Zweifel etwas darüber erfahren haben. Es war aber damals schon die Zeit gekommen, in der die messianischen Hoffnungen der Juden sich wohl in einzelnen Herzen regten, aber keinen lauten Ausdruck mehr fanden. Uebrigens kämen wir mit der Scheidung der zwölf Flügel von den drei Häuptern ins Gedränge. Wir wissen doch nicht, weshalb Antomnus Pius, Marc Aurel und Commodus schlimmer gewesen sein sollen, als ihre Vorgänger. Einem echten Juden müssen dann doch Titus und Hadrian als viel ärgere Bösewichter erschienen sein, wenn wir auch wissen, dass Marc Aurel kein sonderlicher Judenfreund war. Antoninus Pius aber 11013 gar einige judenfeindliche Erlasse Hadrians auf und wir wissen aus anderen Quellen, dass die Juden ihn nicht zu den schlechten Cäsaren zählten. Nun hätte man ja noch die Ausflucht, Galba, Otho und Vitellius als Cäsaren zu zählen. In leitenden Kreisen Roms scheint diese Mitzählung sogar üblich gewesen zu sein, denn Sueton hält die drei Herren für würdig genug, ihnen in den Cäsarenbiographieen eine Stelle anzuweisen. Dann aber wäre der fünfzehnte Hadrian und nach seinen! Tode hätte der neue Esra des Messias Kommen erwartet. Einerseits wäre der Zeitraum vielleicht günstig gewählt, denn nach dem blutigen und für Juda ungünstigen Ausgang des Bar-Kochba-Krieges ist es ganz erklärlich, dass einem an die Verheissung glaubenden Juden siel! die Alternative stellte, entweder die Verheissung als Lüge oder ihre Erfüllung als unmittelbar bevorstehend anzusehen, zumal da der Jude clie Erfüllung nicht auf die eigene politische Macht seines Volkes gründete, sondern ein wunderbares Eingreifen Gottes von oben her erwartete. In der That werden wir sehen, dass diese Zeit dem Buche seine heutige Gestalt gegeben hat. Aber es lässt sich doch auch nicht verhehlen,

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