Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1900-01-01 · Heft 3 · p. Seite 100

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
44 (1900)
Issue
Heft 3
Article
Das Adlergesicht im vierten Esrabuche
Date
1900-01-01
Page
Seite 100 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829741-2829745-2882537--29839-2882556
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

100 Das Adlergesicht im vierten Esrabuche. der endgiltige Verwüster Jerusalems. Audi die Klage über Propketenlosigkeit passt auf beide Zeiten, denn die vielen Propheten im Tituskriege hatten falsch geweissagt im Namen Gottes, und Bar-Kochba war schliesslich auch als ein Sohn der Lüge erfunden worden. Und über Gottverlassenheit mochte man wohl klagen, da der Messias ausblieb, als man ihn am sichersten glaubte erwarten zu dürfen. So mochten beide Male Klagen über das Unverständliche der Weltregierung Gottes gen Himmel gerichtet werden und des Engels Trost: ״Das Ende dieses Weltalters ist Esau und der Anfang des folgenden Jakob; das Ende der Glieder des Menschen ist die Ferse und der Anfang derselben die Hand; und siehe, eines Mannes Hand zwischen Ferse und Hand, ein weiteres frage nicht, Esra!“ ((>,8) mochte beide Male nöthig sein. Die Antwort auf die Frage nach der Abfassungszeit dieser Apokalypse liegt doch in der richtigen Deutung des Adlergesiebtes, das dem Buche doch nur zu dem Zweck von seinem Verfasser eingefügt sein kann, um dem Kundigen zu zeigen, wann die erwartete Weitkatastrophe ein treten soll. Der neue Esra sieht aus dem Meere einen Adler auf steigen, ein Monstrum mit zwölf Flügeln und drei Köpfen, dem dann noch acht Gegenschwingen wachsen, und der Adler herrscht über den Kreis der Erde, bis der Löwe kommt und sein Fluchwort an den Adler richtet, worauf der Adler zur Erde niederstürzt und in Flammen aufgeht. Nach der Deutung ist der Adler das vierte Weltreich, das einst Daniel nicht richtig erkannt hat und das ihm nicht richtig gedeutet worden ist. Die Flügel aber sind zwölf Könige, die über das Reich herrschen werden, einer nach dem andern, die acht Gegenschwingen aber acht Könige von kurzer unruhiger Zeit, Gegenkönige, die sich nicht lange halten, die drei Häupter aber drei Könige, die zuletzt herrschen und mächtiger, aber auch gewaltthätiger sind als ihre Vorgänger. Dann aber kommt der Messias und vernichtet das Weltreich. Dass unter dem vierten Weltreich, dem Adler, nur das Römerreich verstanden werden kann, bedarf wohl keines besonderen Nachweises. Fünfzehn Kaiser, zwölf als Flügel und drei als Häupter, sind dem neuen Esra bekannt, dann soll der Messias und mit ihm das Ende kommen. Da nun der erste nur kurze Zeit regieren, der zweite aber an Regierungsdauer von keinem Nachfolger erreicht werden soll, nicht einmal auf die Hälfte wird es ein Nachfolger bringen, so ist es sehr klar, dass unter dem ersten Herrscher Julius Cäsar, unter dem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.