Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 43 (1899)
- Issue
- Heft 11
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 527 (sequence 2)
- Language
- German
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Besprechungen. 527 3) Haggaden des Germanischen Museums zu Nürnberg. 4) der Nationalbibl. zu Paris. 5) des Baron Rothschild in Paris. G) des Prof. Kaufmann s. A. 1111 Ganzen sind aus diesen Codd. 38 Bildertafeln mit höchst interessanten und oft herrlieh aasgeführten Darstellungen wiedergegeben. Die Bosnische Haggadah nun ist die älteste illustrierte, die bis jetzt be~ kannt ist. Drei Classen von Darstellungen umfassen die Bilder: biblische, rituelle u. symbolische; das Ms. zeichnet sich durch besondere Pracht und Sorgfalt aus. Die Bilder beweisen deutlich das Herauswachsen der Bilderhaggadah aus der christlichen Bibelillustration (vgl. die Wiener Genesis.) ״ Bei einer gewissen Selbständigkeit, die man den Illustrationen nicht absprechen kann, muss doch Eines mit allein Nachdruck betont werden: Der Bilderschmuck der Haggadah ist undenkbar ohne die Voraussetzung der Cuiturgemeinschaft der jüdischen Welt mit der christlichen.״ ״Die jüdische Thätigkeit auf dem Gebiete bildender Kunst im Mittelalter beruht mehr auf Anempiindung als auf schöpferischem V ermögen. Aus der Berührung mit der abendländischen Kunst des Mittelalters erwuchs den Juden die Illustration des Pessachlegendars: den vornehmen spanischen Juden aus der vornehmen südfranzösischen Kunstwelt, der deutschen Judenschaft aus dem munteren, derben, drastischen Bürgerthum.“ Dieser Unterschied zeigt sich deutlich auch dem Auge des laienhaften Beschauers beim Betrachten der Bilder in den Haggaden spanischer oder deutscher Provenienzen. Hier feine, geschmackvolle und erfinderische Technik, dort drastische, grobkörnige, oft drollige Manier; dort die Schilderung historischer Vorgänge mit reflectirender Symbolistik, hier genrehafte Kleinmalerei, die sich am Geringsten erfreut und mit sichtlichem Behagen zeichnet. Beispiele dafür sind die vier Gaukler (Pariser MS. des 15. Jhrh. von dem Oberrhein), die in mannigfach verdrehten Stellungen Trinkbecher leeren; darüber steht geschrieben: צורת חילק ובילק השותים חלק כחלק. Es wäre wohl nicht überflüssig gewesen, als Erklärung hinzuzufügen, dass Chillek und Billek nach dem Talmud (Sanhedrin 98b) volksthümliehe, mythische Figuren sind, die durch ihre Raschheit und Geschicklichkeit spasshafte Schreckfiguren sind; sie gelten auch als Schreckensmänner in der Zeit der allgemeinen Verwirrung und des Unterganges, (vgl. Arucli. compl. s. v.) — Ein anderes Beispiel die Darstellung der betrunkenen Affen (Hggd. d. Earl of Crawford, Auf. IG. Jhrh., oberdeutsch), die übrigens auf eine alte• Fabel zurückgellt, welche schon bei Aelian erzählt wird. Die Haggaden italienischen Ursprungs (Kaufmann, Rothschild) stammen aus dem 14. und 15. Jhrhundert. Der Charakter der oberitalischen Kunst des Trecento, gemischt mit französischen Elementen, ist nicht zu verkennen. Mit peinlicher Genauigkeit hat M. die Texte der verschiedenen Codd. mit einander verglichen und die Varianten zusammengestellt. Besonders wesentliche Abweichungen vom Ueberlieferten sind allerdings nicht zu verzeichnen. Die Einleitungsformel zur Ser. Hagg. lautet: אתאן מפירקא שטפין כסא ומווגץ חמרא ומברכין. Interessant sind die Varianten im נשמת, die, wie M. nicht angiebt, mit der üblichen sephardischen Lesart fast ganz übereinstimmen. Im poetisch-liturgischen Anhang sind Dichtungen von: Jehuda ha-Levi, Gabirol, Isaak Giat, Abraham Ibn Esra, Abitur u. A. — Bisher unbekannt sind die drei poetischen Stücke (aus Codd. Bosn. u. Crawf.)