Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 43 (1899)
- Issue
- Heft 11
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 526 (sequence 1)
- Language
- German
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526 Besprechungen. Müller, David Heinrieh, und Schlosser, Juliusvon, ״die Haggadah Vön Serajewo.“ Eine spanisch-jüdische Bilderhandschrift des Mittelalters, nebst einem Anhänge von Prof. Dr. David Kaufmann, mit einem Frontispiz in Chromotypie, 38 Lichtdrucktafeln, 18 Textabbildungen und einem Atlas vou 35 Tafeln. Wien, 1898, 4. Alfred Holder. Gern unterziehe ich mich der Aufgabe, dieses merkwürdige Buch das Müller und Schlosser mit vereinter Kraft zur Freude und Augenweide Gelehrter und Künstler herausgegeben haben, zu besprechen. Kaufmanns gewandte, feine Feder schrieb in gewohnter, meisterlicher Art den Anhang ״ zur Geschichte der jüdischen Handsehriften-lllustration“.— Im ersten Abschnitte giebt M. eine populärwissenschaftliche Dar- Stellung des Pessachhaggadah-Inhaltes überhaupt. Mit der Schilderung Heines aus dem ״Rabbi von Bacharach“ hebt sie an; merkwürdig, dass sowohl Heine als M. übersehen haben, dass der erste Sederabend nicht am Vorabend des Vierzehnten *Tages im Monate Nissan stattfindet־ auf diesen Fehler im Originaltexte Heines hat mich übrigens Güdemann’ aufmerksam gemaeht. Eingerahmt wird diese Skizze (S. 1—21) von einem als Titelbildchen benutzten Buntbilde der Original-Serajewo-Haggadah, darstellend dasPessachmahl, und einem ornamental geschriebenen בתושבחוח, wie es am Ende des betr. Gebetstücks daselbst steht. Der zweite und Haupttheil ist der Serajewo-Haggadah gewidmet. Die Resultate der kritischen Durchforschung von Text und Bildern sind folgende.: Die Bilderhandschrift stammt aus dem I. 1314. Spanien ist ihr Heimatsland, was die Bilder beweisen, die zwingend auf die Miniaturmalerei Spaniens und in ihrer Farbenzusammenstellung auf die spanisch-maurischen Majolicafliesen hindeuten. Auf Spanien weisen ferner deutlich die schwarze Dienerin in der Darstellung des Pessachmahles, die Negerköpfe in der Verkaufs-Scene Josefs, die Hängelämpchen in den Darstellungen der Synagoge und das Wappen der Könige Aragons, der Grafschaft Barcelona seit 1137, welches das herrliche Frontispiz ziert. — Offenbar ist das Exemplar in vornehmen, gebildeten Kreisen der spanisch-jüdischen Gesellschaft entstanden: auf dem Wege über Italien kam die Haggadah nach Bosnien, wo sie seit alter Zeit im Besitz einer spaniolischen Familie war lind dann in den des Landes- Museums überging. Die Haggadah legte also den Schmerzenswreg der ans ihrer Heimat flüchtigen spaniolischen Juden zurück. Die Bilder sind auf 47 foll. dargestellt; fast ein jedes ist von dem dazu passenden Bibelverse begleitet; sie behandeln u. A: Schöpfung der Welt; Opfer Kains und Abels; Noah; den Thurmbau zu Babel: das Opfer Abrahams; Isaak; Jakobs und Esaus Geburt; Jakobs Traum; die Geschichte Josephs; die zehn Plagen; Moses; den zukünftigen Tempel, ein schönes Vollbild, dessen Mitte die Bundeslade mit der Thorah einnimmt: Rabban Gamliel, ebenfalls ein schönes Vollbild, der Meister mit der Geissei, vor ihm die Schüler mit Büchern. Die den״ Seder selbst betreffenden Bilder sind vorzüglich: Die herrlich verzierten Initialen המצר ID, ,לפיכך ,ברוך ,הללו יהללוך; die Familie beim Pessachmahle; Vertheilung von Mazzoth und Charoseth. Die Verf. haben sich nicht damit begnügt, bloss die Ser.-Hagg. in den Bereich ihrer Betrachtung zu ziehen, sie waren bestrebt, alle illuminirten Haggadahs aus ältester Zeit, soweit sie in Europa vorhanden sind, zu erreichen. So gelangten zahlreiche und prächtige Illustrationen aus folgenden Codd. zur Reproduction: 1) Haggadah des Earl of Crawford in London. 2) Haggaden des British Museum.