Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1899-01-01 · Heft 10 · p. Seite 446

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
43 (1899)
Issue
Heft 10
Article
Das Problem der jüdischen Sittenlehre
Date
1899-01-01
Page
Seite 446 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829727-2829738-2882264--29552-2882291
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

446 Da» Problem <l«r jüdischen iSittoulchro. (S. du) gar nicht gekommen ist, wird aus dieser Noth eine TuK. md gedreht. ״Die ethische Grundansehauung geht eben weiter, ist tiefer und klarer als die entwickelten De* griffe“. Und dem Habbinisnms wird es zum Verdienst angerechnet, dass er ״der Kenn der seientilisehen Systematik entbehren konnte'4 (S. (;7). Da ist es denn "kein Wunder, dass das Ruch für den wahrhaften Systematiker des Gesammtgeistcs des .Judenthums, für Maimonides nichts übrig haben kann. Er ist der Klassiker der De griffe. Auch die Ant ip;1t 11 i<* gegen Ras eh i wird so ־erklärlich: er ist der Klassiker der schlichten Sachlichkeit und der prägnanten Kürze. Man schäm( sieh beinah, die Stellung auch nur *zu berühren, welche das Ruch zu der Grundlehre von den Regrilfen, die durch die Geschichte der Philosophie hindurch geht, zu den Kategorien einninunt: mit welcher Überlegenheit selbstgefälliger Unwissenheit über dieses Grundproblem getämlelt wird. ״Lieht und Finstorniss. Gut und Rose und Männlich und Weiblich: das ist nicht bloss ungahmh es ist entsetzlich“ (S. 1R>7). Der antike Systematiker (hu* Begrille muss die ganze Schwer(1 seiner seltenen Polemik erfahren. Aber di(‘ Dreistigkeit. übersteigt hier auch alles Maass, das man der populären Schriftstellern in hergebrachtem Leichtsinn zubilligt. Den ״Reifen aristotelischer Tugenden, der sich so anmuthig auf (hu* goldenen Mittelstrasse des Lebens bewert■“, so nennt er die aristotelische Tugendlehre. Doch nicht genug׳ damit: ״Jene Tugenden, welche meist gar keine positiven Tugenden, sondern nur die Mitte ׳zwischen zweien Lastern sind, jene Tugenden, welche die Regeln der Wohlanständigkeit für den gebildeten und begüterten Atheniensor ausmachen44. Es sei eine ״Blasphemie“, diese mit der ״Idee göttlieber Sittlichkeit zu vergleichen“. Das Schlimme ist dabei aber, dass in den Tugenden für die Ethik des Aristoteles keineswegs der Schwerpunkt liegt.: vielmehr in der Eudämonie. Und dieser dürfte es an feierlichster Erhabenheit nicht gebrechen. Aber das Buch bat auch einmal davon gehört. ״Sein Gott hat keine von den Tugenden, die den Menschen leiten und zieren: Gerechtigkeit, Freiheit, Güte sind Begriffe dieser Welt.44 Das sind also beispielsweise einige von den aristotelischen Tugenden, über die der Verfasser sich nicht genug erhaben dünken konnte; von der Tapferkeit, der nahezu göttlichen Meisterin des Maasses und der Freiheit, ganz zu geschweigen. Dass der Gott des Aristoteles über diese höchsten menschlichen Tugenden noch erhaben ist, daraus wird ihm liier ein Strick gedreht. In unserer Dogmatik besagt dies: sein Wesen geht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.