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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1899-01-01 · Heft 10 · p. Seite 445

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
43 (1899)
Issue
Heft 10
Article
Das Problem der jüdischen Sittenlehre
Date
1899-01-01
Page
Seite 445 (sequence 13)
Language
German
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Das Problem der jüdischen Sittenlehre. 445 classische Ausdruck universalistischer Gerechtigkeit ist, der gegenüber die süssen Zweideutigkeiten der Liebe und des Wohlwollens an einem idealen Gobild intereonfessioneller Menschlichkeit zerrinnen, dafür ist kein Verständnis« vorhanden. Für den sittlichen Charakter dos Huches ist endlich auch das Verhältnis« bezeichnend, dessen es'sich der wissenschaftlichen Forschung gegenüber belleissigt; insbesondere auf demjenigen Gebiete, welches ihm das eigenste sein sollte. Es will nicht Apologetik treiben, und will nicht polemisiren. Die Vorrede schliesst mit der bescheidenen Pointe ab, dass das Schwert der Polemik nicht über den •Altar dieser Ethik geschwungen werden solle. Es ist freilich nicht des Vfs. Art, das Schwert zu zücken; aber, um in seinem Bilde zu bleiben, er schwingt den Sonnenschirm, mit dem andere Religionen und Geistesrichtungen in den Schatten gestellt werden. Niemals in allen Jahrhunderten ist in einem philosophischen Werke innerhalb des Judenthums die sokratischgriechische Kultur mit solcher Geringschätzung apostrophirt worden. Im ehrlichen Kampfe der Meinungen stellt sich wenigstens die Möglichkeit ein, durch ernsthafte, gründliche Auseinandersetzung auch dem Gegner Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. End die Sympathie, welche das Symptom der Einsicht von der relativen Berechtigung eines entgegengesetzten geschichtlichen Standpunktes ist, kann aas solchem offenen Kampfe, als eine Blüthe der Humanität, und die zugleich wieder eine Wurzelkraft hat, entspriessen. Unfruchtbar al>er ist das Versteckenspiolen mit polemischen Seitenblicken, und das sich nicht Genugthun können in Superlativen des Eigenlobes, und in den exponiblen Urtheilen: nur bei uns und nur hei uns. Um so abstossender wirkt bei diesem allgemeinen äusseren Schein der Friedfertigkeit das polemische Auftrunipfon gegen unsere philosophischen Grössen an dem Einen Beispiel, an welchem sie überhaupt zur Erwähnung gelangen. Die abgerissenen Sätze einer exegetischen Predigtliteratur werden mit Weihrauch bestreut; — im Originaltext freilich werden auch sie meistens nicht mitgetheilt; und die Übersetzungskunst ist die der freien Übertragung — aber die Darstellungen einer grossartigen Systematik werden begeifert. So hart das Wort ist, so muss es gebraucht werden. Entschuldigung bietet hier allein, was keine Entschuldigung sein darf, das allgemeine Verhalten zur philosophischen Wissenschaft. Indem anerkannt wird, dass es innerhalb des Judenthums nicht immer ״zum methodisch geformten Gedanken, vollends zur systematisch geordneten Fassung desselben44

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