Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 43 (1899)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Das Problem der jüdischen Sittenlehre
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 439 (sequence 7)
- Language
- German
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Das Problem der jüdischen Sittenlehre 4.‘>9 Grundbegriff der Wissenschaft auch in die Umgangssprache der allgemeinen Bildung über, zumal er schon bei Aristoteles, und so auch in der neueren Zeit als Princip der Biologie diente. Von hier aus wurde der Begriff /um Princip der Geschichte gemacht. Die Geschichte aber beruht, vorzugsweise auf dem Princip der Entwicklung, welche daher im Altorthum, . wie in der!)eueren Zeit., als.Wochselbegriff der Centinuitöt gilt. Ohne Entwicklung keine Continuitiit. Vielmehr für die Ent- Wicklung allein soll die Conti 1!uitüt: als Lcitungsbcgriff dienen; dass die Entwicklung nichtin Sprüngen des Ungefahr verlaufe, sondern eine innere Gesetzlichkeit vollziehe: das soll die Continuitiit zur Erkenntniss bringen. Und dass man sieh nur nicht, über den Umfang und die Tiefe der Entwicklung täusche; sie bleibt nicht etwa an der Oherlläehe, sondern sie erstreckt sich in den untersten Grund des Kulturbettes. Ohne Bild: die Entwicklung bezieht sich nicht etwa lediglich auf das unwesentliche Zubehör - der geschichtlichen Erscheinungen, auf die äussorlichen Können ihrer Darstellung; sondern vielmehr vornehmlich auf die wesentlichen geschichtlichen Kräfte, bei der Wissenschaft auf die Principien; bei der Religion nicht minder auf ihre sittlichen Grundlagen, auf ihre Art von Principien. Der Verfasser will mit dem Prineip der Kontinuität ״ein vollständiges und in sich geschlossenes System der Sittenlehre des Judenthums“ entwerfen. (S. 8.) ״Die Einheit besteht; horizontal in der Continuität aller Zeitgenossen, und vertikal durch die Continuitiit des Geistes in den nacheinander lebenden Geschlechtern.“ (S. 31b). Trotz dem geometrischen Unterschiede bleibt die Continuitiit auf die Menschen bezogen. ״Man darf vielleicht ohne alle Uebertreibung sagen: in der Continuitiit des Geistes liegt die Lösung dos Räthsels, dass der kleine Volksstamm der Juden sich am Leben erhalten hat.“ (S. 322) Das ist die Kontinuität des Volkes. Worin bestellt denn die Continuitiit des Geistes in ihm? ״Auf die, folgenreiche Bedeutung der Continuitiit des Geistes in der Thätigkeit der Gesammtheit selbst braucht kauni 11 ing 0wie sen zu werden, denn das ganze schöpferische Dasein derselben beruht offenbar darauf.“ (S. 32b) Aber das ist ja die Hauptsache, das eigentliche Problem: die Continuitiit der Grundbegriffe, welche den Geist der ]Religion ausmachen. Hier aber wird wiederum nur die ״treue Erinnerung“ der Schicksale und Erlebnisse des Volkes als Continuitiit gedacht; dahingegen ist zu fragen: ob die sittlichen Principien Continuitiit aufweisen in der geschichtlichen Entwicklung der Religion des Judenthums. Diese Frage, welche vorzugsweise