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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1899-01-01 · Heft 10 · p. Seite 435

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
43 (1899)
Issue
Heft 10
Article
Das Problem der jüdischen Sittenlehre
Date
1899-01-01
Page
Seite 435 (sequence 3)
Language
German
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Das I’roblcm dt!r jüdischen Sitteniehre. 1־43 bedeutet das göttliche Princip, sondern die ganze ]Bestimmtheit eines methodischen Princips, soweit ein solches der Religion, im Unterschiede von der Wissenschaft, zugesproehen werden kann. Auch der vieldeutige Ausdruck, Gott sei ״das Urbild und das Vorbild aller Sittlichkeit“ (S. 10*2) lenkt von der geraden Richtung des Gedankens ah: dass Gott vielmehr das Wesen bedeute lind deshalb als Urheber der Sittlichkeit gelten müsse. Die harmlos klingende Frage: ״Darf ein Mensch nicht einem edlen Vorbild folgen?“ (ib.) darf streng genommen auf dem Boden des Judenthums nicht gestellt werden. Gott ist hier kein ״edles Vorbild“, ״erhabenes Beispiel“. In diesen Al)- Schwächungen des Wesens und des Urhebers zum Vorbild und Beispiel stellt sich nur das Schwanken bloss, welches den Verfasser dahin treibt, das Princip von Gott auf den Menschen abzurollen. Einen andern Uebergang zu dieser Ablenkung bezeichnet der undednirte Begriff des menschlichen Geistes ״Ihn Sittengesetz ist autonom, weil es aus dein Wesen des menschliehen Geistes und aus ihm allein stammt,“ (S. 104) Also in keiner Weise mehr aus Gott. ״Das worauf es hier allein ankommt, ist, dass durch die Autonomie jeder fremd(‘ Wille von der Schöpfung der Sittlichkeit ferngehalten werde . . . Diese erhabene Reinheit und Würde des Sittlichen ist von jeder theistischen Vorstellung unabhängig‘‘. Das soll der (Jesammtgeist des Judenthums sagen?! Der Verfasser fährt fort: ״weil sie aus dem Wesen des menschlichen Geistes selbst stammt.“ Was ist denn aber dieses Wesen des menschlichen Geistes? Ist es das des individuellen, oder das des mensehheitliehon Geistes? Bezeichnet es die psychologische Natur des menschlichen Individuums? oder die ethische Idee der menschlichen Gemeinschaft? ״Der Grund des Sittlichen liegt, wie gesagt, in der Natur des Menschen und im Wesen der Sittlichkeit selbst.“ (S. 115) Dass der Grund des Sittlichen im Wesen der Sittlichkeit liege, ist eine der vielen Tautologien, welche die rhetorische Dialektik des Buches herbeischwemmt. Davon also abgesehen, wird der Grund des Sittlichen liier ausdrücklich in die Natur des Menschen gelegt. Und diese Natur ist sogar als die psychologisch sinnliche gedacht und bezeichnet. ״Wie der Mensch zwischen Licht und Finsterniss mit unausweichlicher Nothwendigkeit unterscheidet, so unterscheidet er auch zwischen Gut und Böse.“ (S. 115) Und nicht nur dem Gesichtssinn wird die Natur des Menschen, als Grund des Sittlichen, 28*

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