Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 43 (1899)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Das Problem der jüdischen Sittenlehre
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 434 (sequence 2)
- Language
- German
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434 Das Problem der jüdischen Sittenlehre. Das ist die Bedeutung des Kantiselien Princips der Autoimmie. Sie entdeckt den Menschen in der Menschheit. Aber sie eiitwerthet nicht den GotteMjogriir. Nur für das Princip wird er abgelelint, ebenso in der Ethik, wie in der Naturwissenschalt, Der Begriff des Naturgesetzes hat jedoch keineswegs die Idee der Schöpfung erledigt, So dürfte auch die Idee Gottes mit■ der Schöpfung des Sittengesetzes 11h 11t ausser jeder Art von Verlulltniss gesetzt sein dadurch, dass für die Wissenschaft der Ethik die Autonomie zum ־ methodischen Princip gesetzt ist, Seilen wir nun, was der Verf. aus dem Kantiselien Princip der Autonomie macht, indem er sie ai:s einen ureigenen Gedanken im Gesammtgeist des Judenthums darstellt. Wir können uns nicht auf die einzelnen Entstellungen einlassen. Nnr eine Probe. Nicht einmal der kategorische Imperativ wird eorrect eitirt. Anstatt des ״allgemeinen Gesetzes“ wird das Gesetz ״für alle“ eitirt. Wir verstehen es aber, was damit verdorben ist. Alle sind die Zusammenfassung der Einzelnen, während der Einzelne vielmehr erst aus der Gesammtheit, der Gemeinschaft hervorgehen soll. Durch das allgemeine Gesetz wird die Gemeinschaft rep raseniirt. Nur dasjenige soll hier heryorgehoben werden, was den Widerspruch zwischen Gott und dem Menschen, als Princip der Sittlichkeit, aufdeckt. ״Audi die völlig autonome Sittlichkeit erschafftja nicht das Sittengesetz, erzeugt es nicht aus eigener Freiheit oder gar Willkür, sondern iindet es in sich und erkennt cs mit innerer und unbeugsamer Nothwendigkeit anu. St) wird die Autonomie schlechterdings aufgehoben: sie erzeugt nicht, sondern sie iindet; und worin iindet sie: in sieh. Hiesse dass aber, in ihrem Begriffe, so wäre das Finden eben vielmehr das Erzeugen. .,Nicht das ist die wahre Bedeutung der Autonomie des Sittengesetzes, dass der Mensch selbst es sich giebt, sondern dass der sittliche Mensch oder die Sittlichkeit in ihm und sie allein das Gesetz giebt.“ (S. 98). Auch in diesen die Erschleichung versteckenden Wendungen soll doch nicht der Mensch an sich, sondern nur die freilich vielmehr erst zu erzeugende Sittlichkeit das Gesetz geben; aber immer doch ״in ihm.“ Wrer ist er? Der Unterschied der jüdischen Autonomie von der Kantiselien wird dahin fonnulirt, dass in der letzteren die Würde des sittlichen Princips bestehe. ״Dem jüdischen Geiste fügt sich zu dieser Würde auch die Weihe.“ (S. 101.) Darauf kann man nicht Amen sagen. Denn nicht eine bloss hinzukommende Weihe