Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 43 (1899)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Das Problem der jüdischen Sittenlehre
- Date
- 1899-01-01
- Page
- 433 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Eine Kritik von Lazarus’ Ethik des Judenthums Voll Hermann Cohen. (Schluss.) Erschöpft nun aber auch <101* Pegriffdes Menschen den ganzen Begriff, das ganze Problem des Sittlichen, und füllt er es aus? An dieser Frag(1 hangt das Verhältniss der wissenschaftlichen Ethik zur I<iee flottes. Die Antwort, welch(1, wenngleich nicht• buchstäblich mit Kants Worten, so doch im (»eist und Zusammen hang seiner («rund begriffe, sieb geben Hesse, ist: Der He״ griff Gottes bildet (1ine Ergänzung für die Wissenschaft vom Sittlichen. Gott ist nicht das Prineip der Sittlichkeit. Denn das Prineip einer Erkenniniss kann nur ein Grundsatz sein, der als'solcher schlechterdings nur ein gedachter Gedanke sein kann. In der Keligion soll bekanntlich Gott mehr sein. Aber wenngleich Gott, in der wissenschaftlichen Ethik kein Prineip bedeuten kann, so!)raucht er doch darum nicht zu einem Postulat degrudirt; zu werden für Schwierigkeiten der moralischtheologischen (,asuistik. Er ist das ״Oberhaupt im Keiche der Sit ton.u Als solch(1« aber bat er nicht bloss etwas zu sagen, sondern, was mehr bedeutet, etwas zu leisten, und nicht bloss etwas, sondern alles. Das Oberhaupt im Keiehe der Sitten bedeutet die Gewähr: dass die Gesetze, welche die sittliehe Vernunft in der ethischen Wissenschaft entdeckt und vorschreibt, in der Ferne der Zeiten zur vollen Wirklichkeit gelangen, und dass keine Skepsis dagegen aufkommen dürfe. So wahr Gott lebt! sagen die Propheten. So gewiss die Idee Gottes meine Wahrheit ist, sagt die Idee als Wissenschaft. Ohne die Idee Gottes hat die Ethik keine Gewähr, dass ihre Gesetze mehr als Hirngespinnste einer methodischen Erkenntniss seien. Mit der Idee Gottes giebt sie sieh die Gewissheit, dass das Sittengesetz Wirklichkeit entfalte bis ans Ende der Tage. Mwuutsdn־in, 4:i. Juhrguug. 28