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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1899-01-01 · Heft 9 · p. Seite 399

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
43 (1899)
Issue
Heft 9
Article
Das Problem der jüdischen Sittenlehre
Date
1899-01-01
Page
Seite 399 (sequence 15)
Language
German
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Das Problem der jüdischen Sittenlehre. 300 noch im Sittlichen die Kulturgüter und dir Gespenster der Mythologie und einer sogenannten psychologischen Erfahrung rin Forum zu bilden, von drin es krinr Berufung gehe. Das ן> der Autonomie schafft dir erste Bedingung zu einrr sittlichen Erkenntniss: indem sio von den Vorurtlieilen der so reiehen geschiehtliehen Kultur der Völker emamipiri. Nirhtder Nomos ist das (Jeseiz. Denn <ler ist der Wortführer diu* historiselirn Vorurtheile. Wer oder was ist nun aber das Selbst, welches den Nomos absetzt? Man sage nicht: die Ver״ nunft. Denn um sie ist ja der Streit. Man sage auch niclit: der Mensch, oder das Wesen des Menschen. Das sind alles nur Ausdrucke für dasselbe Problem. Der einzige Begriff, der das falsche Gesetz abzusciiaiVen geeignetist, kann nur der wahre Beoriff des Gesetzes selbst sein. Die Autonomie bedeutet: dass das Princip der Sittlichkeit• das Princip der sittlichen Erkenntniss sei; das will sagen: der Begriff des sittlichen (Jesetzes. Wie das Problem der Ethik das Problem des sittlichen Gesetzes ist, so bedeutet das Princip (ha* Autonomie den Grundsatz, das (J run<1 gesetz der sittlichen Frkenntniss. Sittliche (ieset/ze dürfen niclit aus historischen Vourtheilen, oder Genie-Enthüllungen, noch aus psychologischen VorurtIndien oder angeblichen anthropologischen Entdeckungen abgeleitet werden; sondern lediglich und allein aus einem Frkenntnissprincip, welches die Krall eines Grundsatzes hat: nämlich Gesetze aus sich ableitbar zu machen. Der Sinn des Princips der Autonomie istsonach vorerst aussehliesslieh ein methodischer: Frk enn t niss si t tl i<•her Gesetze und dadurch Ethik, als Wissenschaft, möglich zu machen. Mit diesem methodischen Wert.he aber hängen unmittelbar fundamentale Bestimmungen zusammen über Begriffe, welche seihst nur Ausdrückt‘ für das Problem der Sittln hkeit sind und demzufolge durch das neue Princip zu neuer Bestimmung gelangen. Der neue Begriff des Gesetzes, als des Grundsatzes für Gesetze, ergiebt ( inen n eue n B egri ff de r s i ttl ie h e n Vernunft. Die sittliche Vernunft aber bezeichnet vorzugsweise das Wesen des Menschen. Also ergieht das Princip der Autonomie einen neuen Begriff des Menschen. Nicht allein darin besteht diese Neuheit, dass der Mensch als Träger dieser neubestimmten praktischen Vernunft, in der schöpferischen vSelbstständigkeit seines Wesens für seine Wissenschaften genauer als bisher erkannt wurde; sondern auch der objektive Inhalt des Menschen wurde durch den Begriff seiner Gesetze

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