Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 43 (1899)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Das Problem der jüdischen Sittenlehre
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 397 (sequence 13)
- Language
- German
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I>as Prohlein <i<־r jüdischen Sitte11U‘h1־e. 3S>7 es sittlich ist, deshalb hat 4'Jot i es geboten.“ Dieser (!(‘danke ist keineswegs klar, und auch nicht idoss unklar; sondern (dn unerlaubtes Witzspiel mit dem tiefsten der menschlichen Probleme. Wenn der Verfasser nicht die sonderbar(‘ gcs( hicldlh he Ansicht gelehrt hätte: Sokrates sei durch di(1 Sophisten besiegt worden, das .Judenthum aber habe keim1 Sophisten gehabt (S. 781'.), so würde man versucht werden, diesen Gedanken vielmehr in die Klarlteii jener Windrichtung zu verlegen. Zweierlei müssen wir dagegen fragen. Erstlich: warum ist es denn sittlich? das war ja die Krage: der (־!rund des Sittlichen. Zweitens aber ist die ganze Fragestellung falsch, W(*il sie auf das Gebot Gottes allein den Grund des Sittlbdien bezi(‘ht; und nicht auf das Wesen Gottes. Das Gebot ist von sekundärer Bedeutung. ״Du bist Gott, auch wenn Du allein wärest.“ Aber das Wesen G o t tes ist di(‘■ Sittlichkeit, ist das sittliche Gesetz. Diese‘!»(,griffe sind nieht bloss untrennbar, sondern identisch, Ungefähr sagt das freilich der Verfasser auch; aber der Gedanke ist ni< 11t als!,rineip erkannt- und lestgelegt; ־daher verschiebt sieb alles. Während er ausdem ״ureigenen Wesen Gottes selbst* (S. 87) das Sitteiigesetz (Hessen lässt, immerhin also nicht mit demselben schlechterdings identisch setzt, bezeichnet er anderseits Gott als die ״Urgestalt aller Sitt.- liehkeit“ (S. 89). Diese Urgewalt deutet auf die vierte Form des Irrthums hin. Wenn Gott Gestalt wä1־e, wärt‘ er nicht die Urgestalt, sondern die Gestalt dos Sittlichen. So durchaus ist sein Wesen identisch mit, dem Wesen des Sittlichen. ״Also nicht auf irgend eine dogmatische Vorstellung von Gott, sondern auf den Gedanken seiner Sittlichkeit, d. 11. also auf das Wesen der Sittlichkeit selbst ist das Sittengesetz gegründet.* Das letzter(‘ wollen wir für das Sittengesetz Indien: dass es auf das Wesen der Sittlichkeit gegründet sei. Aber wenn das Sittengesetz auf den Gedanken von Gottes Sittlichkeit gegründet ist, ist es als״ dann nicht auf ״irgend eine dogmatisch(* Vorstellung von Gott* gegründet? Was für (*ine sonderbare Vorstellung hat der Verfasser von der theologischen Dogmatik, wenn er diese Art von Begründung als eine philosophische ihr entgegenzusetzen glaubt. Man sieht aber wieder: die Gottesidee soll das Princip der Sittlichkeit sein, und soll es nicht sein. Den Ausgleich des Widerspruchs besorgt die Unterschiebung des göttlichen Befehls für das göttliche Wesen. ״Gott nicht als Gebieter, sondern als Vorbild aller Sittlichkeit ist zugleich Urquell aller menschlichen Sittenlehre.“ (S. 90.) Jetzt ist der Quell nicht