Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 43 (1899)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Das Problem der jüdischen Sittenlehre
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 396 (sequence 12)
- Language
- German
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;Uli; Mas Problem der jüdischen!Sittenltdire. verstattet, — in denselben Fehler, den nach ihm Maimonides begeht, indem er sich von Aristoteles in Abhängigkeit versetzte. Wie es damit steht, werden wir später riehtigzustellen haben. Unstreitig aber ist die Autonomie, als Princip der Ethik, die Entdeckung Kants. Somit ist ein kantisrhes Princip das Princip der Ethik des Judenthums. Das wäre vielleicht an si.11 sehr wohl möglich: denn das Alte Testament hat mächtig auf Kant eingewirkt. Nur für eine systematische Ethik, welche unter feierlicher Absperrung von aller Philosophie und Kultur allein aus dem sogenannten Gesammtgeist des Judentliums sieh eonstruiren will, ist es ein Widerspruch. Und da dieser Widerspruch sich ereignen musste,' - denn wie sollte das Judenthum (du wissenschaftliches Princip enthalten können, - so kann es nicht Wunder nehmen, dass auch noch ein Drittes eintrat: dass nämlich Gott und die Autonomie einander gl eichgesetzt wurden. Die Autonomie aber ist, wie wir sehen wollen, das Princip der Menschheit. Somit ist durch dies<* Cnnfusion der Begriff G ot. tes gl eichgesetzt mit dom Begriffe des Menschen. Die Ethik des Judenthums hat damit aber das Princip der jüdischen Gotteslehre atifgegeben. Und der Gesammtgeist des Judenthums hat sich zu einer Erweiterung verllüchtigt, in welcher seine־ Differenz vom Christenthum verschwindet. Wir wollen nun die drei Stadion dieses Irrthums aufzeigen, wobei es sich herausstellen wird, dass noch eine vierte Bedeutung des Princips mit jenen dreien sich verbindet, in welcher der angebliche einheiflie-he Gesammtgeist beträchtliche fremde Wucherungen aufgenommen hat. 1. ״Die jüdische Ethik ist ursprünglich eine theologische.“ (S. Mf>) Warum nur ursprünglich V Bleibt sie es etwa nicht? ״Sittliches Gesetz und göttlich(1 Verordnung, sagten wir, sind untrennbare Begriffe. Untrennbare, aber nicht identische. Vert'iett• sieh der menschliche Geist in di(* Frag(* nach dem Wesen des Sittlichen seihst und seinem (!runde, dann“ — wir müssen fortfahren: erkennt er erst recht den Grund des‘ Sittlichen in Gott. Demi jemehr er sich in den Grund dos Sittlichen vor- •tieft, desto mehr vertieft er sich in das Wesen Gottes; dieweil Gott nichts anderes für die Koligion bedeutet als das Wesen des Sittlichen. .Jede ander♦* Meinung ist mythologischer Wahn und theologische Verirrung. So würde Maimonides lehren. Der Verfasser aber fährt fort: ״Dann tritt uns in1־ Judenthum überall der klare Gedanke entgegen: nicht weil Gott es geboten hat. ist e!u Gesetz sittli! 11, sondern weil