Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1899-01-01 · Heft 9 · p. Seite 395

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
43 (1899)
Issue
Heft 9
Article
Das Problem der jüdischen Sittenlehre
Date
1899-01-01
Page
Seite 395 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829727-2829737-2882194--29489-2882222
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Das Problem (1er jüdischen Sittenlehre :m noch zu wenig im Ganzen, wie im Einzelnen, erkannten Nutzen geschaffen. Als Leibniz den More zu Gesichte bekam, wurde er von Bewunderung dafür ergriffen. Und höchst interessant sind die Auszüge, die er daraus sich gemacht hat. Das also ist vielmehr die natürliche, ebenso religiöse, wie Wissenschaftliehe Aufgabe; mit aller Art von Wissenschaft die Wahrheiten des Judenthums in Vergleichung, und soweit es angeht, in Ausgleichung zu bringen. Was ist nun der Begriff des Verfassers von der etliisehen Wissenschaft? ,,Als die eigentliche Aufgabe und den Zweck der ethischen Wissenschaft muss man bezeichnen: die lebendige Quelle des sittlichen Urtheils rein frisch und lliessetid zu erhalten“, u. s. w. im Bilde. ״Uni aber dies*‘ Aufgabe zu erfüllen, muss sie sich in die Volksseele verliefen, um ihr den eignen, ungetrübten Spiegel vorzuhalten.“ (S. 73f.) Diese Brunnenversorgung kann aber nicht als die eigentliche Aufgabe der ethischen Wissenschaft anerkannt werden. Die Ethik, als Wissenschaft, hat vielmehr sieh nicht um die sogenannten Volksseelen zu bekümmern. Sonst sagen andere Leute wieder, die Ethik würde zu eng begründet: inan müsste vielmehr zu den Hottentotten gehen. Die Ethik, als Wissenschaft, sucht keinen frischen Fluss; sondern die Zuverlässig!* eit dos sittlichen Urtheils und die Art der Gewissheit der sittlichen Erkenntniss festzustellen. Zu dieser ihrer nicht bloss eigentlichen, sondern eigentlich einzigen Aufgabe, bedarf sie eines Grundsatzes. Alle wissenschaftliche Erkenntniss beruht auf Grund- Sätzen, und ist durch Grundsätze bedingt. Die, Voraussetzung der ethischen Wissensehalt• ist das ethische Princip. Was ist nun des Verfassers Princip der j üdischen Sitten leh re? Man sollte denken, da die iiidiche Ethik nicht׳ jüdische Religionsphilosophie ist, dass als .Princip der jüdischen Ethik nicht Gott hingestellt werden könnte. Anderseits muss man gespannt sein, welches von Gott verschiedene Princip vom Vorlasser angenommen werden könne‘, nachdem er für diese Ethik, sicherlich also für ihr Princip joden Einlluss ״ von aussen abgedämmt hat. Nach beiden Seiten wird man vom Verfasser überrascht. Erstlich macht er Gott zum Princip der jüdischen Ethik; wozu jeder Andere das Recht hätte, nur nicht er. Demi er hat ja die Ethik im Gegensatz zur Iieligions- Philosophie geschrieben. Zum anderen aber macht er die Autonomie zum Princip der jüdischen Ethik. Die Autonomie aber ist das Princip der kantischen Ethik. Und so verlälit er — um in seiner Sprache zu reden, sei der Vergleich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.