Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1899-01-01 · Heft 9 · p. Seite 389

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
43 (1899)
Issue
Heft 9
Article
Das Problem der jüdischen Sittenlehre
Date
1899-01-01
Page
Seite 389 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829727-2829737-2882194--29483-2882216
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

l>us ]*1*01)10.111 11er jüdischen Sittenlehiv. ist, aber ]licht selbst der Schatz sein kann. Es bedurfte daher nicht erst einer tiefen Gelehrsamkeit■ und Philosophie, um sich diesen Zaun innerlich nicht über den Kopf wachsen zu lassen. Oder sollte man etwa an den mehr mythologischen Motiven der Glaubenslehren Anstoss nehmen, wie etwa an der AuferstehungV Auch solche Fragen konnten nicht an dem lediglich sittlichen Ohnrakter der Glaubenslehren irre' machen. Denn sogar der Grundbegriff dieser Motivengruppe, die Unsterblichkeil, stand keineswegs im Mittelpunkt der Glaubensfragei!; sondern wurde erst 11enibergen<»mtuen, und danach aus dem eignen Boden ausgegraben und entwickelt. Auel) die Frage der Offenbarung vermochte nicht ei nt? Verhärtung gegen ihr Priueip der Vernunft zu bewirken: weil sie von jeher den Inhalt von der Form unterschieden. Es blieb also beim sehlechtesten Willen nur der Einzige Gott übrig, an dem der Gegensatz zwischen Ethik und Dogmatik zu einem kräftigen Ausdruck hätte kommen können. Man müsste aber von aller obcrtlächliebsten Kenlniss über die Bedeutung der jüdischen Gottesidee verlassen sein, wenn man diesem Gedanken Kaum geben könnte. Ohnehin haben unsere mittelalterlichen Dogmatiker, das sind unsere Philosophen, in der rückhaltlosen Polemik mit Islam und Uhristcnthmn deutlich genug erkennen hissen, dass sie ihren Gott als den Gott der *Sittlichkeit «,!•kennen. Sie bestreiten jede andere Erkeiitniss von ihm, jede andere Art־ seiner Attribute als die seiner sittlichen Wege. Der Gi>i;t i lires Glaubens ist der Gott ihrer Sittenlehre. Darum haben sin keine besondere Ethik verfasst, weil sie den Gegensatz zu ihrer Dogmatik nicht etwa nur nicht• aufkommen hissen wollten; sondern schlechterdings nicht fühlten, und nicht fühlen konnten.- Der Gedanke eines solchen Gegensatzes ist ihnen nur von aussen her eutgegeugotreten, nicht in ihnen seihst entstanden. Wer einen solchen Gegensatz zur jüdischen Glaubenslehre dachte, den würden sie zu ״den Verirrten44 gerechnet haben, der des Führers bedurfte. Und so müssen wir es denn als eine Verwirrung bezeichnen, wenn jetzt eine Ethik des Judenthums als eine neue Aufgabe und als eine neu(‘, unerhört(1 Leistung uns dargebraeht wird. Die jüdische *Sit.teulehrc bildet־ den inneren Quell, genauer das sachliche Princip der jüdischen Glaubenslehre. Die jüdische Ethik ist das Princip der jüdischen Religion. Sie ist d as Princip, und nicht die (Jon sequenz. Sie kann aus der jüdischen Religion nur in dem Sinne abgeleitet werden, wie man die Axiome aus dem Lehrgeliait der mathematischen Sätze ableitet. *Sie ist nicht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.