Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 43 (1899)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Das Problem der jüdischen Sittenlehre
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 388 (sequence 4)
- Language
- German
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I);1s Problem der jüdischen SiLtenltihre. ass sacht1 einzusehränkcn. 10s hat stets ״Pnicher der Sittenl011reu unter uns gegeben. Uml auch an solchen ]Büchern ist wahrlich kein Mangel, in denen Tugenden. sittliche Grundbegriffe und ., 1 Ie1־ze11>pllichtrir* den Titel bilden. Ksbedarf nichtderwohlwollen־ den Exemplifikation aut den .seligen Kassel. Warum'aber haben die epochemachenden Werk(‘ der mittelalterlichen und der neueren Religioiisphilosophie das System der Glaubenslehre sich zum Problem gesetzt, und nicht ein System der Sittenlohre? Die Antwort liegtiu der Rest immune des Wesens der jüdischen Religion, und in ihrem Unterschiede von der christlichen, ln der letzteren hat der eigvnf 11511111 iche Glaubensinlialt unvermeidlieh zu dein schwierigen konlliktreichen!Begriff des Dogma geführt. Wie sehr immer die alte Kirche bereits in.den griechischen Vätern das Einvernehmen mit־0)1> ׳ Philosophie anstrebte, und in der IBliithe des Mittelalters dieses Streben erneuerte, so ist und bleibt doch das Dogma seinem Inhalt nach im Gegensatz und Widerspruch zu den andenvriten Methoden und Grundlagen der .Vernunft.. Ans diesem Konflikt des christlichen Glaubens mit der menschlichen, wissenschaftlichen Vernunft entstand dem Chri.vtenthum, nicht etwa nur seiner Kultur uml Wissenschaft, sondern nicht minder auch seiner Theologie das Proh 1 em der christlichen Sitten leh re. Diese bildete nicht׳ nur bei den Gegnern des Glaubens die feindliche Instanz und den Ersatz; sondern auch hei den tieferen Dogmatikern selbst!)lieh sie di(‘ lebendig(1 Quelle, welche die Labyrinthe der Glaubenslehren belobte und hetruchfete. So ist im Ghristenthum hei allem Zu־ sammenhang mit der Dogmatik die Absonderung einer christlichen Ethik durchaus verständlich. Ganz anders liegt •die Sache im J udenlhüm. Welcher Inhalt der jüdischen Glaubenslehre konnte einen Vorwurf der Skepsis bilden, •so dass die Fixirung der Dogmatik sich darauf hätte versteifen müssen? Und welcher Inhalt der jüdischen Glaubenslehre vertrüge, geschweige forderte die Ahsonderung von der Sitten lehn‘ uml den Gegensatz einer Sitten־ lehre? Man könnte an die Cereinonialgesetze denken. . In־ dessen konnten diese, nachdem die Opfer geschwunden waren, kein eigentliches Problem mehr bilden, aus dem der Gegensatz einer Sitten lehre hätte herauswaelisen können. Hatten doch die Sprüche der Väter bereits diese als Zaun für die Lehre gekennzeichnet. Ein Zaun ist kein Garten. Der ungleiche Werth in den Lebensquellen der Religion blieb überall deutlich; und aller Eifer um die Erhaltung und ]Befestigung des Zaunes konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass er nur ein Schutz