Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 43 (1899)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Das Landesrabbinat in Kremsier
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 367 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Landesrabbinat in Krcmsier. 367 und zum Wanderstal) gegriffen hat. Was war der Grund seines Scheidens? IOin von ihm ]unterlassener Brief, den der gegenwärtige Rabl). L. Pollak in Pest im Archiv noch gesehen hat, hätte darüber vielleicht Aufschluss gehen können. Die Vermuthuug liegt nahe, dass die asketischen Schwärmer und Stürmer, welche um diese Zeit Mähren überschwemmten und durch Kremsier ihre Route nahmen, auch ihn mit fortgerissen ]iahen mögen. War doch seine ganze Denkweise, in die sein bereits genanntes Buch einen tiefen Einblick gewährt1), der mystisch-phantastischen Speculation zugewandt. Er ergeht sich in metaphysische Betrachtungen, in welche systemlos Erscheinungen aus dem sinnlichen Leben hineingezogen werden. Viele Stellen der Thora und der Propheten werden geheimnisvoll nach dem Zahlenwerthe ihrer Buchstaben ausgelegt und gedeutet und künstlich Verheissungen einer nahe bevorstehenden Zeit der Erlösung׳ ausgeklügelt. Nur selten begegnen wir in diesem Labyrinth falscher Theorieen einer klaren nüchternen Erklärung, wie z. B. derjenigen über das Salomonische Urtheil im Abschnitte מקץ . Interessant ist, dass R. Jissachar sich für die Predigten des Schwärmers und Märtyrers Salomon Molch0 begeistert und dessen verworrene Ideen weiter auszuspinnen (Seite 100) versucht. Sollte ihn etwa der Anschluss an die ehassidische Seite, deren Ansichten an den Sabbatianismus grenzen, in. Verdriesslichkeiten verwickelt und zu einem Bruche mit den* Gemeinde geführt haben? Die Sehnsucht nach dem heiligen Lande, wo diese Schwärmer die Erlösung ab warten wollten, und wohin zu reisen Samuel Oppenheim zwei Schiffe zur Verfügung stellte, wird es allein wohl nicht gewesen sein, welche ihn zur Niederlegung seines Amtes bestimmt hat. Denn erst fünf Jahre nach diesem Termin trat er diese Reise an. Wo er sicli inzwischen aufgehalten hat, ist ungewiss. Zumeist lebte er in Nikolsburg, wo י) Es enthält nur wenige persönliche Mittheilungen. In der Einleitung und am Ende nennt er die Mitglieder seiner Familie. Im Abschnitte וירא (unpaginirt) gedenkt er eines Wohlthäters Aron Kulpa in Lissa, der ihn, als er, vcrmuthlich nach der Vertreibung aus Wien, dorthin kam, um Bücher zu verkaufen, gastfreundlich in sein Haus auf nahm. Er citirt zwei von ihm verfasste haggadische Werke בסא דוד und ק;את אפרים. Gedruckt ist ausserdem nur noch יד׳ שריגים das mir nicht zu Gesicht gekommen ist.