Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 43 (1899)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die älteste Geschichte der deutschen Juden in Hamburg
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 327 (sequence 6)
- Language
- German
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Die älteste Geschichte der deutschen Juden in Hamburg. 327 Tabaksfabrikation nahm er sieh Moses Israel Fürst aus Hamburg 1)- Wir linden also (ganz abgesehen von Michel Henrichs, der durch sein(1 Gattin mit. der Hamburger Portugiesengemeinde in Verbindung stand) im letzten Viertel des 17. und 1m Anfang des IS. Jahrhunderts b hervorragende Vertreter der Tabakshranche, die den Kreisen der deutschen Judengemeinde zu Hamburg angehörten oder wenigstens entstammten. Dass die gelehrten Berufe . im Gegensatz zu den Portugiesen, die honorragende Aerztc, Philosophen, Sprachforscher in iUrerMitte zählten — bei den deutschen ,luden nicht-vertreten waren, kann uns nicht Wunder nehmen. Denn die meist vornehmen Portugiesen hatten sieh in ihrer alten Ileimath mit der weltliehen Bildung der Zeit vertraut gemarhf und suchten diese so viel als möglich auch auf die jüngere Generation zu vererben. Die armen deutsehen Juden dagegen braehtei! an Geistesbildung nur dasjenige mit, was das Studium der heiligen Schrift und die Beschäftigung mit der talmudischen Litteratur ihnen riarbop Ihre Kinder in profanes Wissen einführen zu lassen, fehlte ihnen jeder Antrieb und jede Gelegenheit, da die christlichen Schulen ihnen noch verschlossen waren. In der spezifisch j iid isehen V nterriehi sanst a 11, dem Glieder, wurden sowohl Knaben wie Mädchen-) mit den heiligen Schriften in dm* Ursprache vertraut gemacht, und manch(* von ihnen gewannen, wie das Beispiel dm* Glückei v. Hameln zeigt, eine grosse Belesenheit־ nicht nur in (hu* Bibel, sondern auch in manchen Theilen der nachbiblisehen Litteratur5*). Ausser den hebräischen Quellenschriften waren auch . jüdischdeutsche Frbauungsbücher ein wichtiges Bildungsmittcl, namentlich für di(1 weibliche Jugend. Von derartigen Büchern erwähnt Glückol hauptsächlich den ״teutschen BrandspiegeP1־ und ״Lew Towu4); aus den b ebd. p. 02. Moses ben Israel Fürst■ kehrte später wieder Finch Hamburg zurück und starb daselbst 1710 (Grabstein <S!)0 des Altoncr Friedlmis). ‘■j Glückei erwähnt- S. 2(>, dass sie im Alter von 10 Jahren den Glieder!)(,suchte.;!) Glücke! scheint׳ ja allerdings eine Frau gewesen zu sein, di(‘ über den I >urr)nschnit I begabt׳ und wissenseifrig war. Aber sie batte in ihrem Eltcrnhause nicht gerade besondere Anregung auf dem Gebiete jüdischer Gelehrsamkeit empfangen und zeigte dennoch, als sie sich im Alter von 14 iahren nach Hameln verheirat-hete, ganz besondere Würdigung für die talmudisehe Belesenheit und den Scharfsinn ihres Schwiegervaters Joseph Hameln. Sin muss also wohl durch den empfangenen Unterricht in dieser Weise beeinflusst worden sein. 4) S. 13 Vgl. Giidemann, Quellenschriften zur Geschichte des Unterrrichts und der Erziehung bei den deutschen Juden, S. lt>0 IV . u. 172 IV.