Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 43 (1899)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die älteste Geschichte der deutschen Juden in Hamburg
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 277 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2829727-2829734-2881996--29345-2882041- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die älteste Geschichte der deutschen Juden in Hamburg. 277 Aufnahme und Unterkunft1). Als die Kriegsnotli vorüber war, zogen die ursprünglichen Altonacr Juden wieder nach Altona zurück. Die Hamburger dagegen, etwa 15 Familien an der Zahl, benutzten die Gelegenheit, die sie wieder nach Hamburg geführt hatte, um sich von neuem hier einen dauernden Aufenthalt zu schaffen. Der Vater Glüokel’s v. Hameln, Loeb Pinkerle, soll der erste deutsche Jude gewesen sein, der es durchsetzte, hier wohnen zu dürfen; ihm folgten bald eine Anzahl andrer, (a. a. 0.). Wie viel sie für diese erlangte ]Berechtigung zu erlegen hatten, erfahren wir nicht; es heisst nur, dass jeder mit denen, die dazu eingesetzt waren2), besonders accordirt habe. Uehrigens war ihr Aufenthalt in der Stadt auf keinen rechtliehen ’Vertrag begründet; ihre ganze Existenz war nur der Gnade des Käthes zu danken •”״). Ihre Religion durften sie im Gebiete der Stadt nicht ausüben, wie ja auch den Portugiesen in den ersten mit ihnen abgeschlossenen Verträgen jede irgendwie bemerkbare Aus- Übung ihrer religiösen Bräuche untersagt worden war. Selbst die heimlichen Zusammenkünfte in engen Betstuben konnten sie nur mit Zittern und Zagen abhalten; wenn ihnen auch der Rat gern einmal durch die Finger sah, so litten es doch die Geistlichen nicht und verjagten öfter die ganz rechtlosen Juden aus ihren Betstübehen. Zäh und ausdauernd, wie sie waren, hielten sie dann wohl eine Zeit lang in Altona ihre Andachten (wo ihnen die dänische Regierung keine.Schwierigkeiten in den Weg legte), benutzten aber ebenso schnell wieder eine Zeit, wo die Gegner in ihrem Yorfblgungsoifer erlahmten, um ihren Gottesdienst wieder nach Hamburg zu verlegen (oder, wie Glückei sagt, wieder in ilire ״Schülchcr zu kriechen״) Glückei v.Hamelnerkenntübrigenssehr wohl den tieferen Grund für alle solche Verfolgungen und Plackereien; das sehen wir aus *) Glückei v. Hameln, a. a. O. 3) ()Heilbar den Kiimmereibiirgern, die seit 1563 die Kämmcreikasso verwalteten (vgl. Wohlwill, Aus 3 Jahrhunderten Hauiburgischei‘ Geschichte, 8. 16). 0־ Daher vernehmen wir auch sofort wieder im Sommer 1657, die Klage, dass die Juden nicht ausgeschafft werden. Es erfolgt alsbald der Bescheid:. ״Juden sollen zwischen dis und morgen aus der Stadt; dominus praesrö will cs_befehlen.״ Auf die ״Supplication der Juden zu Altena“ aber und die Interccssion des Dr. Stampel wird dccretirt, ״dass nach den Familien sich zu erkundigen und noch eine kleine Dilation ihnen zu verstatten.“ (Dr. Stampel war, wie Janibals Chronik lehrt, einer von den Gradmrtcn, die die Bürgerschaft zur Wahrung ihrer liechte cooptiert hatte; die Juden landen also auch in bürgcrschaftUchen Kreisen zuweilen Annehmer). ־