Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 43 (1899)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die älteste Geschichte der deutschen Juden in Hamburg
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 276 (sequence 6)
- Language
- German
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Di« älteste Geschichte der (leutscheu Juden in Hamburg. 276 beobachtete, zeigen Klagen, die bei den Behörden über sie erhoben wurden. Am 3. Mai 1601 klagen die Oberalten: ״Teutsche Juden gingen häufig auf die Börse“ und fragen vorwurfsvoll, ״ob die Ordnungen auch gehalten würden“* 1). Sein־ leicht hatten es die armen Juden gerade nicht, die frühmorgens von Altona in die Stadt hineinkamen, um bis zur Zeit■ der Thnrsperre in Hamburg ihren Geschäften nachzugehen. Manche, die zu arm waren, einen Dukaten zu bezahlen, schlichen sich auch ohne Pass hinein und liefen Gefahr, ins Gefängniss geworfen zu werden, aus dem sie dann nur für schweres Lösegeld befreit werden konnten2)• Hätten die Behörden ihnen nicht hin und wieder einmal durch die Finger gesellen, so wäre ihr Loos ganz unerträglich gewesen. Aber der Verkehr in der grossen Handelsmetropole war min einmal die Quelle ihres Lebens- Unterhalts; ihr ganzes Streben war daher darauf gerichtet, die Möglichkeit einer wenn auch noch so kümmerlichen und mühsamen Existenz liier zu erlangen. Ihr Verlangen sollte auf eine etwas unerwartete Weise Befriedigung finden, indem sie aus der Nachbarstadt, die ihnen gastliche Aufnahme geboten, durch schwere Kriegsnot verjagt wurden. Der schwedische König Karl X. gerieth 1657, nachdem er mit Hilfe des grossen Kurfürsten die Polen hei Warschau besiegt hatte, auch noch iu einen Krieg mit Dänemark und wandte sich zunächst gegen Holstein. So wurde auch Altona von den schwedischen Truppen heimgesucht und nicht sehr glimpflich behandelt. (Jlückel v. Hameln erzählt uns (S. 26־), wie an einem Sabbath in aller Frühe (sie war damals etwa 10 Jahre alt) der Schreekensruf ertönte: Der Schwede kommt! Die Bevölkerung war noch von den Zeiten des 30 jährigen Krieges her gewöhnt, von dem Durchzug der Schweden nichts Gutes zu erwarten. Insbesondere pflegten wohl die Häuser der Juden, in denen man viel bares Geld und Kleinodien vermuthete, das erste Ziel raub־ lustiger Kriegsschaaren zu sein. Jedenfalls hielten es die Juden Altona’s (damals etwa 40 Familien, einschliesslich der aus Ham״ bürg Ausgewiesenen) für gerathen, sich und was sie schnell von ihrer Habe zusammenraffen konnten in grösster Hast in . Sicherheit zu bringen. Sie flohen nach Hamburg und fanden theilsbei ihren portugiesischen Glaubensgenossen, theils hei christlichen Bürgern (wohl solchen, mit denen sie in Geschäftsverbindung standen) l) Gliickcl v. Hameln, S. 25. Vgl. Adclungk, Historische Beschreibung von Hamburg (1696) I, 128.