Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 43 (1899)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die älteste Geschichte der deutschen Juden in Hamburg
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 274 (sequence 4)
- Language
- German
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274 Dh* Ultest r <leschirhte der deutschen Juden in Hamburg. Insbesondere suchte Graf Ernst HL, der 1004 Altona zum Flecken erhob, durch Heranziehung vermögender und betriebsamer Frcmden den Wohlstand des Ortes zu heben. Unter den dort zuziehenden Juden finden wir — wohl nicht zufällig — mehrfach solche, die aus den gräflich Schaucnburgisehen Stammlanden an der Weser und aus deren Nachbargebieten kamen. Wie schon 1580 sich eine Anzahl jüdischer Familien aus dem Lippe’scken nach Altona wandte, so werden bei Glückei von Hameln (8. 29/30) unter den Juden, die vor ihrer Zeit in Altona einwanderten, Leute wie Nathan Spanier aus der schauenburgischen Stadt Stadthagen und Nathan Mehl reich aus Detmold genannt1). Um die Zeit, als Nathan Mehlreich, Glückel’s Grossvater, nach Altona kam, wohnten nach Glückel’s Angabe (S. 29) kaum zehn jüdische Familien dort/׳־־) Um die Mitte des 17. Jahrhunderts waren die jüdischen Haushaltungen in Altona, wie Glückei (S. 24) berichtet, bereits auf etwa 25 augewachsen. Die Hamburger Juden, so heisst es an dieser Stelle der Memoiren weiter, hatten in Altona ihre Synagoge und ihren Frie<lhof(Ih>tGhajjim). Wirsehenalso, dass im Anschluss au die Altonaer Judengeraeinde damals auch schon deutsche Juden in Hamburg wohnten. Die älteste urkundliehe Erwähnung dieser Hamburger deutschen Juden finden wir in einem Schutzbrief vom 1. August 1G4P), in welchem der Dänenkönig Christian IV. nach Uebergang der Grafschaft Pinneberg an Dänemark die den Juden von der früheren .Obrigkeit verliehenen Privilegien und Rechte bestätigt. In diesem Schriftstück wird den Juden in Altona der königliche Schutz zugesichert, ״wenn sie zu Schutzgeld für eine jede Familie jährlich 5 Rth. entrichten, und solches zugleich auch diejenigen, so in Hamburg wohnen, welchen dann hingegen freistehen soll, ihres Gefallens sich allda auch zu setzen, umzugehen und niederzulassen, mit ausgehen wollten“ etc.4). Der Schutzbrief gestattet übrigens den Altonaer Juden, J) Aus etwas späterer Zeit wird als Einwohner Altun&’s Abraham Metz erwähnt, der aus Herford stammte (Memoiren, S. 234). 2) Damit stimmt überein, was Ehrenberg (Altona unter Schauenburgischor Herrschaft■ V, p. 48) aus den Kämmereirechnungen der Schauenburgor Grafen ermittelt hat, dass diese 1039 von 10 Juden in Altona Schutzgeld im Betrage von zusammen Gü Thalem erhielten. 3) Boi den Akten der hochdeutschen IsraeUtcngcmcindo zu Altona. 9־ Dieses Schutzgeld wurde unter Friedrich Hl. 1664 auf 6,Reichst-halcr erhöht, wie aus dem Privileg dieses Königs vom 15. Julj 1GG4 hervorgelit. Damit stimmt׳ Glückei v. Hameln S. 27: ״Wenn wir auch in Hamburg wohnten, mussten wir ihm (dem Könige Friedrich 1X1.) doch 6 Thaler Steuern für jede Familie zahlen, weiter nichts.“