Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 43 (1899)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die älteste Geschichte der deutschen Juden in Hamburg
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 272 (sequence 2)
- Language
- German
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I >it־־ älteste Geschichte der deutschen Juden in Hamburg. Standpunkt vertrat) kam 1612 der erste Contract mit den Portugiesen zu stände, durch den diese als Juden Aufnahme in Hamburg erlangten 1). Die bedeutenden Kapitalien, die sie mitbrachten, und ihre weitreichenden Handelsbeziehungen Hessen sie dem Rathe als nützliche Elemente der Bevölkerung erscheinen und brachten die religiösen Bedenken der von den lutherischen Pastoren verhetzten Bürgerschaft und ihren Concurrenzncid zum Schweigen. Immerhin hatte diese erste portugiesische Niederlassung in Hamburg sowohl bei .ihrer Begründung wie bei ihrer Weiterentwickelung mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. Aber die Portugiesen lebten doch wenigstens in geordneten Rechtsverhältnissen, wenn auch das Maass ihrer Rechte und Freiheiten, das nach 1612 noch durch mehrere Contracte geregelt wurde, nur sehr bescheiden war. Anders erging es den hochdeutschen Juden, die sich nicht lange vor der Mitte des 17. Jahrhumlerts ohne Erlaubnis der Behörden in Hamburg niederzulassen begannen und den Grund zur deutschen Judengemeinde daselbst legten. Sie lebten während des ganzen übrigen 17. Jahrhunderts in rechtlosem Zustande, weil ohne officio]le Anerkennung, hier, bis im Jahre 1710 die definitive Regelung ihrer Verhältnisse erfolgte. Die äusseren Schicksale dieser Juden sowie ihr ganzes Leben und Treiben während des bezeichneten Zeitraums soll den Gegenstand der vorliegenden Untersuchung bilden. Die Quellen zur älteren Geschichte der hochdeutschen Juden in Hamburgfliessen weit spärlicherals die zur Geschichte der Portugiesen, da ja keine schriftlichen Vereinbarungen zwischen ihnen und den Behörden stattfanden, und Gemeindebücher von ihnen noch nicht geführt wurden (oder wenigstens nicht erhalten geblieben sind). Das geringe, bisher zur Verfügung stehende Material, das in den Acten des Hamburger Staatsarchivs, in einem alten portugiesischen Gemeindebuche sowie auf den Grabsteinen des deutsch-israelitischen Friedhofes zu Altona enthalten ist, hat überdies bis jetzt noch keine Bearbeitung gefunden2). Neuerdings ist das Quellenmaterial durch die Herausgabe der Glückei-Memoiren2’) bedeutend bereichert worden, die von einer l) Näheres s. Fci 1 ch enfe 1 d, AnlaUg und Blüthczeit der Fortugiesengemeinde in Hamburg. Zeitohrift für Hainb. Geschieht?, Bd. 10, S. 199—240־ a) Haarbleichcr hat in seinem Buche: Zwei Epochen aus der Geschichto der deutsch-israelitischen Gemeinde in Hamburg (Hbg. 1867) die ältere Zeit niir einleitungsweisc behandelt und für dieselbe ausser den Privilegiou der dänischen Könige lind einigen unwesentlicheren Notizen (im Gemeindearchiv zu Altona) keine primären (Quellen benutzt. a) Memoiren der Glückei von Hameln, heransgegeben von Dr. D. Kaufmann, (Frankfurt a. M. 1896).