Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 43 (1899)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die älteste Geschichte der deutschen Juden in Hamburg
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 271 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829727-2829734-2881996--29339-2882035- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die älteste Geschichte <ler deutschen Juden in Hamburg. 271 Von Dp״ A. Fellehenfeld. Später als in den meisten anderen deutschen Städten haben die Juden in Hamburg eine bleibende Heimstätte gefunden. Während in anderen Theilen unseres Vaterlandes das ganze Mittelalter hindurch zahlreiche und ansehnliche Judengemeinden in Blüthe standen, freilich auch von Zeit zu Zeit durch grausame Verfolgungen heimgesucht wurden, hat Hamburg — gleich so vielen Städten des deutschen Nordens — von dieser Blüthe jüdischen Lebens, aber auch von dem Martyrium der Juden im Mittelalter nichts in seinen Mauern gesehen. Das lange Fernbleiben jüdischer Ansiedelungen von den unterelbischen Landen war sicherlich durch die Thatsache nicht wenig beeinflusst, dass die scandinavisehen Reiche und Grossbritannien den Juden noch bis ins 17. Jahrhundert hinein verschlossen waren, also die Wege ihres Handels und Verkehrs sie nicht an den deutschen Nordseeländern vorbeiführten. Auch wies wohl ihre ursprüngliche Neigung sie nicht auf Schifffahrt und Seehandel hin, die doch nun einmal das Lebenselement für die Bewohner der norddeutscheu Städterepubliken bildeten. Endlich (lind das ist wohl das Entscheidende) war die Exklusivität der Hanseaten und die Eifersucht, mit der sie ihren Handel gegen jede Concurrenz zu schützen suchten, dem Zuzug fremder, namentlich handeltreibender Elemente nicht günstig. So ist es erklärlich, dass wir Spuren jüdischer Niederlassungen in Hamburg nicht vor dem letzten Viertel des KL Jahrhunderts begegnen1). Die Juden, die sich damals hier niederliessen, waren nicht deutscher, sondern spanisch-portugiesischer Abkunft und traten, der Gewohnheit entsprechend, die ihnen der Verfolgungseifer ihrer früheren Landesgenossen aufgenöthigt hatte, auch hier zunächst als katholische Christen auf. 1603 erhielten die Behörden zum ersten Male davon Kenntniss, dass sich unter den in Hamburg anwesenden Portugiesen auch Juden befänden. Nach langjährigen Verhandlungen zwischen Rath and Bürgerschaft (bei denen der Rath wie so oft, den liberaleren l) Vgl. Lappenberg, Zeitschrift des Vereins für Hamburgischo Ge״ schichte Bd. 1, S. 280 ff. Koils ebd. Bd. 2., S. 157 ff. und 357 ff. Lder. Bd. 6, S. 461 ff.