Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 43 (1899)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Aus der Zeit der Renaissance
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 263 (sequence 14)
- Language
- German
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Ans der Zeit der Renaissance. 203 angeblichen Erfolge schlichst־, dass der jüdische Unterredner sich von der Wahrheit dieser Grundlehre des Christenthums überzeugt erklärt1 * 3). Die philosophische Argumentation gipfelt in folgender .Beweisführung, die sich auch in anderen Schriften des Bovillus findet. Da Gott allein der Ewige ist, die Welt also erst in der Zeit entstanden sein kann, so müsste Gott, bevor er die Welt erschuf, miissig und untlnltig gewesen sein, wenn er nicht, wie er Einer im Wesen ist, auch dreifach in den Personen wäre. Weil die Philosophen die göttliche Trinität nicht erkannten, sahen sie sich genüthigt, um Gott nicht von Ewigkeit her miissig und unthätig sein zu lassen, ihm eine gleich ewige Materie an die Seite zu stellen und Gott auf dieselbe von Ewigkeit her wirken zu lassen. Um diesem Irtlimn zu entgehen, müsse eben neben der Einheit zugleich auch die Dreipersünliohkeit Gottes angenommen werden. Denn wenn Gott, der Vater, ewig den Sohn aus sich erzeugt, und ewig aus beiden der heilige (!eist hervorging, so war Gott vor der Schöpfung der Welt nicht miissig und unthätig, sondern er war in sich selbst beständig wirksam und thiitig-). Wie dieses und andere noch viel abstrusere Argumente auf den jüdischen Philosophen eine so überzeugende Wirkung ausüben konnten, das will dem Leser allerdings nicht recht einleuchten. Die Sache muss aber denn doch einiges Aufsehen erregt haben, da Bovillus die Dialoge dem Fab er mit der Begründung zucignet, er habe sie aulgeschrieben, weil Faber es bedauert habe, nicht schon früher in Itom angekommen zu sein und der Disputation mitbeigewohnt zu haben•‘*). Die in einer der Öeflentlichkeit übergebenen Schrift ausgesprochene Behauptung, Bonet’s Sohn habe sich zuletzt mit der Lehre von der Trinität einverstanden erklärt, könnte fast auf die Vermuthung führen, dass dieser Sohn des römischen Rabbiners, wenn auch nicht gerade in Folge jener Disputation, zum Christenthum übergetreten sei4). Aber bei dem Bekehrungseifer, den Bovillus hier verräth, würde er es sich wohl kaum versagt haben, eines solchen Triumphes ausdrücklich Erwähnung zu thun. l) Siehe Anhang II. ־־) Vgl. Stückl B. IH, S. 99. 3) Vgl. Anhang I. 4) Wir kennen zwei Söhne des Bonet de Lattes. Einem Sohne erneuert Leo X. gemeinschaftlich mit seinem Vater die ihnen von seinem Vorgänger bestätigten Vorzugsrechte (VogeLstein und Riege,r II, S. 35). An einen anderen Sohn Immanuel ist ein Schreiben Leo’s vom 10. Januar 1515 gerichtet, in dem von dem verstorbenen Magister Bonettus pkysicus Romanus hobraeus die Rede ist und die Dienste anerkannt werden, die Immanuel dem heiligen Stuhl geleistet habe. Der i'apat gobraucht