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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1899-01-01 · Heft 6 · p. Seite 262

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
43 (1899)
Issue
Heft 6
Article
Aus der Zeit der Renaissance
Date
1899-01-01
Page
Seite 262 (sequence 13)
Language
German
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Alis der Zr.it «Irr Renaissance. *J1;2 os die Judon in solchen Fällen zu thun pflogen, in die Worte ausgebrochen: Gott sei mir gnädig! Nicht kann es mir frommen, die Religion meiner Väter zu verlassen. Dann fügte er noch hinzu: Wir Hebräer glauben nur an (* *inen Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde, den Bildner des Alls. Um des Ungehorsams der Vater willenmüssen wir zeitweilig ohne eigenen König, eigenes Gesetz und eigenen Priester tributpflichtig in fremdem Lande weilen1). Dann habe Honet ihn gebeten, sein Haus nicht• zu verlassen, ohne, auch seinen Sohn begrüsst zu haben, der im Alter •von .*12 .Jahren stehend, sich eingehend mit den Schriften der Philosophen beschäftigt und eine nicht gewohnliche Bildung angeeignet 11;ll)0. Dieser Bitte willfahrend, seien sie Honet in das obere Stockwerk gefolgt, wo sie den Sohn, der Schilderung des Vaters entsprechend, ganz in sein(* Studien versenkt■ antrafen. Der Raum, in dem er sich aufhielt, war eine Synagoge, in welcher ausser dem mit einem Vorhang verhüllten Altar (heilig(( Ladt*), Büchern, Lampen und Priestergewändern (wahrscheinlich Gebetmänteln) Nichts weiter zu sehen war. Den Bestimmungen ihres Gesetzes gemäss vermeiden nämlich die Juden,, um die Unerfassbarkeit Gottes zum Ausdruck zu bringen, jede Darstellung durch Bilder, Gemälde und Sculpturen, indem sie in Allem, was nur auf die Sinne wirkt, etwas Heidnisches erblicken, und nur dasjenige, was sich der sinnlichen Wahrnehmung entzieht und sicli an den Geist wendet, für geeignet halten, zur Betrachtung des wahrhaft Sc)1önen und des höchsten Gutes anzuregen. Darum sind die Wände ihrer Synagogen entweder ganz nackt oder nur mit gemalten Bäumen und Blumen geschmückt‘2). Die Unterhaltung, die diesmal ihren Ausgang nicht von der Verschiedenheit der Religionen, sondern von der Philosophie nahm, und bei der Bonet’s Sohn eine ausserordentliche Vertrautheit mit den aristotelischen Schriften bekundete, gelangte endlich zur Erörterung der Frage, oh sich auf Grund der Schriften der alten Philosophen die Einzigkeit Gottes erweisen lasse:i). Von hier aus wird es Bovillus nicht schwer, die Unterredung so zu lenken, dass sie in eine Discussion über die Trinität einmündet, die, in zwrei Dialogen durchgeführt, mit dem x) Vermuthlich hatte Bovillus in gewohnter Weise auf die Leiden der Juden als auf ein Zeugniss der göttlichen Verwerfung!angewiesen. *) Die Schmucklosigkeit in der vSynagogemiusstattung musste auf Bovillus einen um so grösseren Eindruck machen im Vergleich mit der Prachtentfaltung, die ihm in den römischen Kirchen entgegentrat^ ף Siehe Anhang I.

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