Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 43 (1899)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Aus der Zeit der Renaissance
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 261 (sequence 12)
- Language
- German
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Aus der Zeit der Renaissance. 261 deren Interesse für uns noch dadurch erhöht wird, dass .sie uns im eigentlichsten Sinne dos Wortes einen Blick in das Haus des jüdischen Gelehrten thun lässt. Einer der bedeutendsten Schüler des .Jaeobus Faber Stapulensis war Carolus Bovillus (geh. um 1470, gest. um 1.5.53 י(נ der, von Faber in die Philosophie des Nicolaus von Ousa eingeführt, als deren hervorragendster Vortreter und Fortbildner in Frankreich gelten kann. Von einer Bekanntschaft mit der jüdischen Littoratur sind mir hei Bovillus keinerlei Spuren entgegengetreten. Dagegen findet sieh in seinen gesammelten Werken eine dem Jaeobus Faber gewidmete Schrift: ״Dialogi de trinitatc4'*2), die zu Bonet de Lattes in engster Be״ Ziehung stellt. In der Einhutung zu dieser Schrift erzählt Bovillus, dass er bei seinem Aufenthalt in Rom, im Jahre 1507, weiiige Tage, bevor Faber in Begleitung der Gesandtschaft des Königs von Frankreich an den Papst dort angekommen sei, auf einem Spaziergang, den er an einem Sonntag Nachmittag mit einigen Freunden unternommen habe, im Judenviertel dem hebräischen Arzte Bonet de Lattes, dem Verfasser des vor längerer Zeit von Faber veröffentlichten Sehriftehens ״De annulo" begegnet sei. Von einem seiner Genossen auf diesen ihm bisher persönlich nicht bekannten Mann aufmerksam gemacht, begrüsste. er denselben und sprach dabei den Wunsch aus, den von Bonet so kunstfertig eonstruirten Ring besichtigen zu dürfen. Darauf habe sie Bonet, in sein nahegelegenes Haus geführt15׳) und ihnen den Ring gezeigt. Im Laufe des daran sich knüpfenden Gesprächen sei die Rede zuletzt auch auf die Verschiedenheit der Religionen gekommen, wobei ein Jeder seinen Glauben in das beste Licht zu stellen suchte. Um den Bonet zu widerlegen, habe Bovillus seine Ein wände vorzugsweise dem den Juden und Christen gemeinsamen alten Testamente entnommen, da hekanntlich der hebräische Vogel sich nicht mit der christlichen, sondern nur mit der eigenen, von ihm anerkannten Schlinge fangen lasse und die Hebräer den Aussprüchen der Evangelien und Apostel׳unwillig ihr Ohr verschlössen. Alle seine I3emiihungon, den Bonet zu überzeugen, seien jedoch fruchtlos gelilieben. Mit zum Himmel erhobenen Händen sei er, wie l) Vgl. Dippol, Versuch einer Darstellung der Philosophie des Carolus Bovillus, (Wiirzburg 18(>5.) ־') Dialogi de trinitatc. Ad eximium philosophum Jaoobum Fabrum, roctaruin littcrarum dccus. Paris, in aedibus Ascensianis, 1515. Bei einer Reinigung des Tibertlusscs hat inan vor einiger Zeit eine marmorne Tafel mit der Inschrift, ד. רב מיס ר בונוט יצ" ו auf gefunden, die wohl einst als Namensschild am Hause Bonet’s befestigt war. Vgl. Berliner, Geschichte der Juden in Rum, S. 83.