Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 43 (1899)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Aus der Zeit der Renaissance
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 258 (sequence 9)
- Language
- German
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Aus der Zt*it (101־ Renaissance. 258 sehen Schriften einen weitverbreiteten Eulim als Wiederhersteller der durch die Scholastik entstellten Philosophie des Aristoteles1). Im vorgerückteren Alter widmete sich Faber mehr der Beschäftigung mit der Bibel und gerieth, sich den Anschauungen der deutschen Reformatoren zuneigend, mit der Kirche in (,011flict. Beim Beginn der Reformation in Frankreich hat Faber, ohne sich, darin dem Keuehlin gleichend, den reformatorischen Bestrebungen öffentlich anzuschliessen, Farel und Calvin, mit denen er persönliche Beziehungen unterhielt, die Wege gebahnt. Seine französische Uebersetzung der ganzen Bibel nach der Vulgata bildet, wenigstens für das neue Testament und die Apokryphen, die Grundlage der von der reformirten Kirche Frankreichs anerkannten Bibelübersetzung des Robert Olivetanus. In dein zum Schutze der jüdischen Litteratur geführten Streit Reuchlins gegen die Kölner Dominikaner hatte Faber sich auf Seiten Reuchlins gestellt und sich dadurch in noch höherem Maasse als bisher den Groll der Dominikaner zugezogen2). Noch in die Zeit seiner in Paris ausgeübten Lehrthätigkeit, auf die. er in Folg(‘ seines (,onllirts mit den kirchlichen Autoritäten später verzichten musste, füllt die von ihm besorgte Herausgabe einer Schrift des als Leibarzt der Papst(' Alexander VI. und Leo X. bekannten jüdischen Gelehrten Bauet de Lattes. Bonet, mit seinem jüdischen Namen Jacob ben Immanuel, war von Geburt ein Provenealo und gehörte einer aus Lattes hei Montpellier stammenden angesehenen Familie an, die in Folge der Judenvertroibuiigen aus der Provence auswanderte und sieh in dem päpstlichen Carpentras niedcrliess. Vom Papste AlexanderVI. (i49*2—150B) zur Ausübung der ärztlichen Praxis zugelassen, schlug Bonet seinen Wohnsitz in'י Rom auf, wo er vom Papste zum Leibarzt und von (Um* jüdischen Gemeinde zum Rabbiner ernannt wurde•‘1) und vermöge, seiner einflussreichen Stellung Gelegenheit hatte, seinen Glaubensgenossen auch über den Kreis seiner unmittelbaren Wirksamkeit hinaus wichtige Dienste zu 1) Houchlinsagt von Faber: Gallis Aristotolem Faber Stapulcnsis resta.11ravit. Vgl* L. (»ei»:er, Houchlin, sein Leben und Beine Werke (Leipzig 1871), iS. 285. Vgl. auch den Brief de« Thomas Morus an Martin Dorpius Erasmi Kpist., pag. 1S96, Graf a. a, O., S. 13. Erasmus Joanni Ep. Roftensi (Epj pag. 511): Miseret me Fabri, viri nimirum o.ptimi, (!ui Lutetiae non mediocri gravatur ,invidia, pracsertim ])ominieanorum, potissimum ob hoc, quod dictus sit favere Capuinni. Vgl. Geiger, Keuehlin. 8. 285. 404. :;) Vogelstein und Rieger, Geschichte* der Juden in Rom 2. Band (Berlin 1895), S. 25. Ueber die Familie Lattes vgl. Gross, Gallia Judaiea (Paris 1897), S. 264 fg.