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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1899-01-01 · Heft 6 · p. Seite 244

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
43 (1899)
Issue
Heft 6
Article
Die haggadische Exegese und der einfache Wortsinn
Date
1899-01-01
Page
Seite 244 (sequence 4)
Language
German
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244 Die liaggadische Exegese und der einfache Wortsinn. selbst als jenes Opfer, das früher מקרן, dann erst מפרים war. Welches ist dies? Das des ersten Menschen, denn nur die Thiere der Schöpfung zeigten erst Hörner, dann Klauen. Bezieht sich also dieser Vers auf das Opfer Adam’s, dann erhell 1 auch daraus, dass Adam an derselben Stelle geopfert habe, von der in diesem Verse ja allein die Rede sein kann: auf dem Boden Jerusalems. — Wir verlangen ja nicht, dass dieser ganzen Versdeutung irgend ein wissenschaftlicher Werth, wenn die Erkenntnis« der Schwierigkeit dieses Verses nicht Werth genug ist, zuerkannt werden soll; das ist jedoch eine berechtigt*• Forderung, dass Taine’s ]Milien, das heute bei Beurtheilung aller geistigen Thätigkeit maassgebend ist, auch hier seine Anwendung zu finden habe. Die Continuitüt des Geistes, der Lazarus in seiner ״Ethik“ mit Recht die Erhaltung des Judenthunn zuschreibt, die war es, die, wo es nur anging, die Ausübung mosaischer Satzungen, gleichsam als Naturgesetze, auf Adam zurückzuführen bestrebt war. — Und schliesslich, ist es denn so völlig ausgeschlossen, dass dieser Psahnvers wirklich au! eine alte Sage anspielt, die uns in den Aussprüchen der Talmud׳* weisen erhalten gehlieben ist? Diese Anspielungen auf alte, in״ Volke Israel nie verstummte Sagen sind noch bis heute ein vollständig brachliegendes Capitel, das aber berufen ist, der ganze!! Bibelkritik eine entscheidende Wendung zu geben! Mit welchen. Rechte dürfen wir flenn alles, was dem modernen Exegetei. nicht in den Kram passt, einfach als Hirngespinnst, als phantastisch-willkürliche Auslegung der Haggaäisten hinstellen? Sollten wir nicht lieber, zum mindesten in vielen Fällen, annehmen, dass der Haggadist aus der Volksseele und Volkssagt־ geschöpft habe, und dass es ihm gerade dadurch gelungen ist, so unendlich tief das Herz seiner Zuhörer zu ergreifen und zu fesseln!? Es ist eine seltsame Verirrung, die liaggada in Bezug auf Exegese und Religion — besonders Religionsgeschichte ist da zu verstehen -־ in das Reich der Märchenwelt zu verweisen und für das ganze monotheistisch-religiöse Lehen Israels mit dem Exile eine chinesische Mauer aufzurichten, hinter der zottiges Heidenthurn nur Herlinge pflanzt. Wir denken, dass die Alterthumswissenschaft dereinst den Nachweis bringen wird, dass die Haggada nicht mit Unrecht in manchen religiösen Sitten auf Abraham und Noa und Adam, d. 11. noch auf vorpalästinonsische Zeiten, zurückgreift. Bis daliin soll man sich aber hüten, das Unverständliche und scheinbar Unbegreifliche zu missachten und zu schmähen.

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