Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 43 (1899)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die rituellen Reinheitsgesetze in der Bibel und im Talmud
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 208 (sequence 16)
- Language
- German
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2()S Oie rituellen I^üinheits^esetze in der Hibel und im Talmud. Kriterium ihres relativen Alters gelten kann. Ist dieses min in Hczug aut‘ andere <!(•setze des Altertlimns richtig, wo der Nationalismus als das Resultat des instinetiven Strebens des 1 rmcnschen, sielt vor jedem Unheil zu schützen, erscheint, so gilt dieses um so mehr von (hu־ hildischen Gesetzgebung, wo der Rationalismus, wie wir bald sehen werden, das hewusste ,Ziel sämmtlieher Gesetze bildete. - Kehren wir nach dieser kurzen 1 )igression wieder zu der vergleichendethnographischen Theorie der mosaischen (Vremonien zurück, die von Maimonides im dritten Theile seines philosophischen Werkes entwickelt wird., Diese in ihrem Grundgedanken richtige Theorie bedarf jedoch einiger Erläuterungen und Ergänzungen, ohne wtdehe sit» allzu willkürlich erscheinen konnte. Einerseits z. 1>. wird behauptet, dass die Mischlin־״ von Milch und Fleisch, die Anlegung weiblicher Gewänder seitens des ]Mannes, die verschiedenen Formen der Zauberei u. s. w. einen mtegrirenden Hestandtheil heidnischer (1ulte bildeten und vom mosaischen Gesetze deswegen verpönt wurden, um die Israeliten vom lleidenthum fern zu ]!alten. Andererseits heisst, cs, dass I»eschneidung und Keiuigungsccrcmonien unter den alten Völkern derartig verbreitet waren, dass es geboten war, (Joueessioiien zu Gunsten der vorbandeneu Gebräuche zu machen und sie dem israelitischen (,ult.us einzufügen. Aber warum we1־den sie in einem Falle verboten, während s*ie im andern Falle nicht nur geduldet, sondern son'ar zu obligatorischen Handlungen erhoben werden? Wie wollte man dies(* Inkonsequenz erklären? Es kann keinem Zweifel unterliegen. dass die Erhabenheit der sinaitischen Gesetzgebung nicht in der Originalität der von ihr geschaffenen Gebräuche1 und Ceremonien besteht., sond(*1־n in den von ihr verkündeten ethischen Principien, welche allein den Sinai unermesslich hoch Uber den Olymp, das iranische Hochgebirge •und den Himalaya stellen. Aberaueh innerhalb der Sphäre des (1eremoniemvesens liegt das Schwerge wicht, des sinaitisehen Gesetzes nicht in den Geboten — בלצוה עשה , sondern in den Verboten — מציה לא העשה —. Alle Gebräuche, welche innerhalb des israelitischen Volkes ,and der benachbarten heidnischen Völker im Umlaufe waren, werden vom Gesetzgeber einem strengen Sondcrungsproeesse unterworfen. Alles Heidnische, d. h. alles, was falsch ist, was zu einer irrigen Vorstellung von der Aussen weit, zur Unterjochung des Menschen durch die Xatur, zur physischen und moralischen Entartung führt, wurde ohne alle Con-