Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 43 (1899)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die rituellen Reinheitsgesetze in der Bibel und im Talmud
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 14)
- Language
- German
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206 Die rituellen Keinheitsgeset.zc in der Bibel und iin Talmud. primitiven Völkern bemerkt Tylor Folgeiulcs: ,.Trotz aller der Dunkelheit und Verworrenheit, welch«‘ aus einer Jahrhunderte langen Umgestaltung• nothwendig hcrvorgcht, ist dennoch di«', ursprünglich«‘ Vorstellung, weicht' diesen Geremonien zu Ci rund«‘ liegt, noch »־!«‘iitlich erkennbar. Es ist der Uebergang von pfactischer zu symb«>lischt%r LVinigung, von d«*e Entfernung körperlich«‘!• U11r<*inheit zu der ]»et’reiung von unsichtbaren, spiritualen und endlieh moralisehen Uebeln1). Mit noch grösserem hVchte dürfen wir von ein*'!• rati«mell«*u (.־irumllage «lerjenigen Reinigungsfornmn reden, welehe «,in«* augenseheinlieh desinficiivmle Bedeutung,entsprechend unser«‘!! moilermm Begriffen, haben und von verschiedem‘11 Religionen d<*s Alterthmns gcrad«* für solche Fülle vorg<‘sehri«‘ben werden, in deu«*n die!)«‘sinteetion als «'ine Nothwendigkeit erseheint. Durch zufälliges Zusnmnu'ntrt'flcn das erklären zu wollen, was nach einfacher Logik dem Urmenschen «Inreh seinen bestamligen Kampf um die Existenz eingegeben werden konnte, — dazu ist. wie es scheint, nicht der geringste Grund vorhamlen. Freilich g«*sehi«‘ht es in Folge g«‘wiss«‘1• E!!twi(‘.kelungsges«'rze oft, «lass «hu* ursprüngliche rationell«1 Kern im Laute d«T Zt'it von vt'rsehiedenen Ablagerungs־ schichten bedeckt winl, die ihr«* Entstidmng andern Ideet'nkreisen verdanken und sein«*n primitiven Sinn ver«lunk«dn. B«d den alten Ferse!•!! z. IL galt de!* menschlich«‘ Li'iehnam nicht dessw«*gen als unr<'in, weil 0,r die ihn 1 »«,rührenden physisch inficiivn kann, s«>n«b‘rn weil «b'1* Körper d«‘s Mensclum nach d«‘1n Tode «ler Macht Ahrimans, «b's Gott«׳s d«T Finsterniss, anlmimfällt. welch«‘!• ihn den unreinen G«‘istern oder ..Devas*‘ üb«‘rlüsst;!«*tztere b«‘mächtigen sich nun in unüWrsehbarer Meng«* des Leichnams und kömmn von «liesem auch auf d«'!1 gesunden Menschen übergehen und ihm ein L«'id zutIlgen. Es begreift sieb nun, dass b«'i der nciten Vorstellung von der ״Unreinheit״ die ursprünglichen, rein physischen Reiiiigungsarten sieb als ungenügend erweisen, und das Bedürfnis« nach besonuern, spceiellen Mitteln eintritt, welche auf die unreinen Geister einwirken können. Zu diesem Zwecke werden Beschwörungen, Besprengungen uml andere symbolische Handlungen ersonnen, ‘welche darauf hiazLclen, die Devas zu vertreiben und ihren ferneren Verbleib auf dem unreinen Menschen ihnen unmöglich zu machen. Aber dank dem culturlustorischen Ges«*tze der l) Tyior. op. cit. 8. 4sJ0.