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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1899-01-01 · Heft 4 · p. Seite 176

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
43 (1899)
Issue
Heft 4
Article
Die Religionsphilosophie Abraham Ibn Esra's
Date
1899-01-01
Page
Seite 176 (sequence 9)
Language
German
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176 Die Religiousphilosophie Abraham Ihn Esra’s. einer Herrschaft der Naturgewalten, oder, religiös ausgedrückt, von einer Herrschaft Gottes auf den Willen des Menschen (Nr. ר) ziim Nachtheil (wie in Nr. ב und ה) wie zum Vortheil (Nr. א) sprechen, während es daneben wahr bleibt, dass der Mensch selbst seine Handlungen durch die Beharr» lichkeit oder das Nachlassen seiner Selbstbestimmung im letzten Grunde veranlasst und so entweder vernünftig (Nr. oder sündhaft (Nr. ג) gestaltet. Die Güte Gottes allerdings sei geneigt, nur günstig auf den Menschen zu wirken, was eben 5. Mos. 5, 29 besagt. ß) Jes. mor. VH, 27 b—29a verfolgt wieder diesen Gedankengang: Neben Aussprüchen wie Jes. 63, 17 למה חחעגי י־ מדרכיך und 1. Kön. 18, 37: אחה הסבויח אח לבם אחורגיח', welche Gottes Bestimmung auch auf die Handlungen und die Gesinnungen der Menschen ausdehnen, finden sich andere*, in denen die Willensfreiheit unzweideutig gelehrt wird, wie 5. Mos. 30, 19 ובחרח בחיים und Klgl. 3, 38 מפי י עליון לא חצא דירעוח והטוב und Beraeh. 33 b הבל בידי שמים חוץ מייאח שמים. Hier erheben sich nun drei Fragen: a) Wozu dient die Willensfreiheit und welchen Werth hat sie neben der jedenfalls doch weisen Vorherbcstimmung Gottes? b) Wie ist die Willensfreiheit neben dieser Vorherbcstimmung möglich? c) Warum lässt Gott das Böse [und die damit verbundenen Hebel] zu, indem (51• Willensfreiheit dem Menschen gewährt? Ad a) antwortet IK mit der S. 172, unter 3, a mitgetheilten Bemerkung, deren oben erläuterter Sinn zu dem Ergebnisse führt: Es bleibe neben dem natürlichen Drange und Triebe noch Kaum genug für die Wirksamkeit der Vornun ft durch den Willen x). Ad b) fasst IE die menschliche Willensfreiheit nicht als eine fertige, von Gott dem Menschen gewährte Gabe auf, sondern als eine Schritt für Schritt im Kampfe gegen das etwaige Widerstreben der äussern oder der eignen (leibliehen) Natur sieh durchringende Macht, die schliesslich zur Uebenviiulung aller Fügungen der Gestirne unter Gottes Beistand gelangt, weil dem edlen und guten Menschen Mittel und Wege sich eröffnen, um den Unfällen des Geschickes 1)'S. meine Ethik des Maimonides S. 04, A. 2 über Aristoteles. — Viel schöner übrigens und tiefer, als hier IE, begründete Saadia (Emun. III Eint: V 2, S. 59 b, Z. 15; IX 1, S. 88b? Z. 25) die Notwendigkeit der Willensfreiheit damit, dass Gott dem Menschen hierdurch die Gelegenheit gewähren wollte, soines Schöpfers Wohlwohlen und Wohlthaten auch zu verdienen.

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