Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 43 (1899)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die rituellen Reinheitsgesetze in der Bibel und im Talmud
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 109 (sequence 13)
- Language
- German
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Die rituellen Keinheitsgesetze in der Bibel ־und im Talmud.!09 Geisteszustand und die physisch(‘ Zerschlagenheit, welche nicht selten Folgen der pollutio nocturna sind, machen den Menschen nur wenig zur hingehenden Tapferkeit fähig, und dies«‘ Erwägung war es wohl, welche, wie wir glauben, dem angeführten Gesetze zu Grunde gelegen hat. F. Der menschliche Leichnam galt fast bei allen Völkern des Alterthums als Quelle der Unreinheit und ist es noch jetzt bei vielen Stämmen, welche auf einer niedrigen Gulturstufe stehen. Aber war auch immer die Entstehung dieser Idee bei den primitiven Völkern gewesen sein mag, im mosaischen Gesetze liegt der Vorstellung von der Unreinheit des menschlichen Leichnams unzweifelhaft der Gedank»־ zu Grunde, dass letzterer ringsum einen Infeetionskeim verbreitet, welcher sich dem gesunden Menschen mittheilen und ihm Schaden zufügen kann. Diese Vorstellung leuchtet denn auch fast durch alle Einzelheiten des Gesetzes hindurch. Wir sagen .,fast“, weil einige Punkte des Gesetzes über todte Körper nicht durch di(' Ansteckungs-Idee erklärt werden können, obgleich auch sie eine wichtige hygienische Bedeutung haben. Sehr richtig hat schon Dr. L Einis bemerkt1), dass der Gesetzgeber bei Feststellung dieses Gesetzes hauptsächlich bestrebt war., die Verbrditung der sogenannten Bubonenpest nach Möglichkeit-zu beschränken, einer Krankheit, fügen wir unsererseits hinzu, welche, nach vorhandenen historischen Daten‘2) von altersher in Aegypten und Syrien geherrscht hat. Diese Krankheit, welche zur Kategorie der miasmatischcontagiöseu gehört, verblautet sich, nach dem Zeugnisse competenter Augenzeugen, in diu.־ That unvergleichlich seltener durch unmittelbare Berührung mit dem Kranken, als durch den Leichnam eines an der Pest Gestorbenen und durch Gegenständ(‘, welch(‘ in Contact mit diesem gewesen sind. Schriftsteller, welche die Pestepidemie beobachtet haben, heben mit besonderer Betonung die auf den ersten Blick sonderbare Thatsache hervor, dass die Aerzte und das Krankenhaus-Personal im Allgemeinen von der Krankheit verschont blieben, während sie unter Personen, die nichts mit den Kranken zu schaffen hatten, in heftigem Grade wüthete. ״Besonders aber — bemerkt Dr. Liebermeister — ') In seinem Artikel .,(Jeher die ,,Para-Adumnia“ im ,,Woschod*4 (russisch, Journal) 1895. ־} Liebermeister, in Ziemsens Handbuch der speciellen Pathologie und Therapie 1874,' Bd. II. S. 457.