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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1899-01-01 · Heft 3 · p. Seite 108

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
43 (1899)
Issue
Heft 3
Article
Die rituellen Reinheitsgesetze in der Bibel und im Talmud
Date
1899-01-01
Page
Seite 108 (sequence 12)
Language
German
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108 Die rituellen Reinheitsgesetze in (1er Bibel und im Talmud. ausübt, zu bewahren. Im Jerusalemischen Talmud wird erzählt, dass die Gcsetzeslehrer im dritten Jahrhundert mit dem Gedanken umgingen, das obligatorische Bad wegen seiner schädlichen Wirkung auf die Gesundheit den* Frauen, besonders im Winter, vollständig* aufzulieben, dass sir aber diese Absicht au^gaben in Anbetracht der hohen Bedeutung, welche das Gesetz hat als Mittel, das 'Volk au Knthaltsamkeit und Sittlichkeit zu gewöhnen 1). Gelegentlich des uns liier beschäftigenden Orsetzes dürfte es nicht überflüssig sein, eine höchst characteristischö Bestimmung der mosaischen Gesetzgebung anzuführen, welche auf die Kriegszeit Bezug hat. Im Buche Deuteronomium (XXIII, 10—12) lesen wir Folgendes: ..Wenn Du im Kriege gegen Deine Feinde ein Lager beziehst, so hüte dich vor allem Ungehörigen. Wenn unter dir ('in ]Mann ist. der in Folge eines nächtlichen Begegnisses unrein geworden ist, so soll er hinausgeheu ausserhalb des Lagers, nicht soll er kommen innerhalb des Lagers. Und es geschehe, gegen Abend soll er sich im Wasser baden, un.d bei Sonnen־ Untergang darf er ins Lager kommen.“ Vom Standpunkte des modernen Militarismus wird man wold das Gesetz bückst sonderbar finden, das jedem einzelnen Soldaten das liecht einräumt, nach eigenem Gutdünken das Lager zu verlassen, da ja im gegebenen Fall(' der ..triftige Grund“ seiner Entfernung nicht controllirt werden kann. Ein solches ungewöhnliches Vertrauen in den Patriotismus und die Tapferkeit der jüdischen Krieger seitens• des Gesetzgebers findet seine Erklärung in dem Umstand(', dass das mosaische 'Gesetz zwar die allgemeine Wehrpflicht feststellt ihr jedoch keinen Zwangscharacter verleiht. Obwohl dem Knie der Wehrpflicht folgend, ist dennoch jeder jüdische Krieger gleichsam ('in Volontair. Nach einer Bestimmung Moses schritten vor dem Be,ginne der Kricgsoperationen. Herolde vor den Heeresreihen einher und riefen unter anderem: ״Wer ist da, der furchtsam und zaghaften Herzens ist, er gehe und kehre zurück in sein Haus, damit (‘1* das Herz seiner Brüder nicht eben so muthlos mache, wie sein Herz2t;; Im alten Kriege, wo der persönliche Muth des Kriegers keine geringere Bolle spielte, als die Weisheit des Feldherrn, war ein solches ׳ Verfahren durchaus rationell. Der gedrückte ) Ü'raklioth III, 4 (eil. Zitomir 2ö 1> ) ') Doutoro 110111. XX. 8.

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