Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 43 (1899)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die rituellen Reinheitsgesetze in der Bibel und im Talmud
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 9)
- Language
- German
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Die rituellen Reinheitsgesetze in der Bibel und im Talmud.!05 mnsiiLschen GesetzgebungL) und als solche wurde sie von altersher von allen anderen orientalischen Völkern angesehen. Wir begreifen vollkommen die wichtige hygienische Bedeutung des Gesetzes, das dem Weibe während dieser Periode den ehelichen Umgang verbietet, denn dieser wäre unzweifelhaft für beide Theile schädlich, aber alle minutiösen Bestimmungen hinsichtlich der Unreinheit von Gegenständen, mit denen die Menstruirende in mehr oder weniger nahe Berührung kommt, durch mediciuisehe Erwägungen erklären zu wollen, scheint 1ms allzusehr gezwungen* 2). Auch dieses Gesetz wird man daher in gewisser Beziehung den religiösen zuzählen müssen. Möglich, dass im gegebenen Falle auch der Wunsch des Gesetzgebers eine Rolle gespielt hat, die Juden vor jeder intimen Beziehung zu fremdländischen Frauen zu bewahren, welche die Reinheitsregeln nicht beobaeliteteu. Eine ähnliche Bedeutung hatte wahrscheinlich der der Menstruation verwandte G. chronische Blutfluss beim Weibe. Obgleich letzterer eine pathologische Erscheinung ist, so kann ihm dennoch, beim jetzigen Stande der medicinischen Wissenschaft, eine speeihsehe In fecti uns kraft nicht beigelegt werden. Alles über die Menstruation Bemerkte hat daher auch auf diesen Zustand Bezug. II. Pol lut io nocturna et coitus werden zwar von dem Gesetze zu den Quellen der Unreinheit gezählt, jedoch kann dieses nur im Sinne von persönlicher Unreinheit verstanden werden, keineswegs aber im Sinne, von inficirender Unreinheit gleich all* den andern von uns bisher beschriebenen Unreinheitskategorieen. Wer einen gewissen Akt vollzogen hat, gilt persönlich während eines Tages als imrein, ja, laut dem Texte des Deuteronomiums (XXIII, 11) muss er sogar während dieses Zeitraumes sieh fern von der ’) Genesis XXXI, 85. 2) Vor einigen Jahren brachte die russische Zeitschrift ״Wratsch“ (״Der Arzt/‘; Jahr und No. sind nur entfallen) die Abhandlung eines Arztes, der auf Grund zahlreicher Beobachtungen den Nachweis zu liefern sucht, dass bei chirurgischen Kranken die Wunden einen schlechten Verlauf nehmen, wenn die Kranken von Wärterinnen während der Menstrual-Periode gepflegt werden. Ob diese Erscheinung auch von andern Beobachtern bestätigt wird, ist mir unbekannt. Als Curiosum sei noch hinzugefügt., dass in Kleinmsslaud, wie ich noch als Knabe hörte, der Glaube herrscht, dass frisches Gemüse, das von einer menstruirunden Frau eingemacht wird, unbedingt in Fäulniss übergeht. Auch das Trübewerden von Spiegeln gilt dort als Folge davon, dass men-׳ strübende Frauen in dieselben geschaut haben.