Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 43 (1899)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die rituellen Reinheitsgesetze in der Bibel und im Talmud
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 8)
- Language
- German
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104: Die rituellen Reinheitsgesetze in der Bibel und im Talmud. diagnostischen Unterscheidung zwischen dem. gcwohnlichm und dem syphilitischen Eiterfluss, aber das biblische Gesetz war eben nicht für Specialisten des XIX. •Jahrhunderts gegeben. Ln Unterschiede von der Zara'ath. unterlag die Gonorrhoe nicht der Competenz der Priester, sondern wurde dem religiösen Gewissen des Individuums überlassen Und dieses geschah aus einem leicht begreiflichen Grund('. .Die Zara'ath afficirt grösstentheils die offenen Körpertheibn und die von ihr Betroffenen konnten selbst wider ihren Willen zum Priester behufs Besichtigung gebracht, werden, während das bei der Gonorrhoe nicht der Fall ist, In einem Gesetze aber, das für das Volk geschrieben ist, ist kein Kaum für feinere diagnostische Symptom(‘* ein solches Gesetz muss sich durch mögliche Einfachheit auszeichnen lind die möglichst grösste Anzahl von gleichartigen Fällen umfassen. Freilich darf aus dem hier Bemerkten noch nicht gefolgert worden, dass die Syphilis im Alterthume existirt hat; hierfür fehlen objective Schilderungen dieser Krankheit, aber venuutheu lasst, es sich wohl. E. Das Wochenbett, welches das Weib so sehr zu septischen Erkrankungen disponirt, wird vom Gesetz(' mit Recht als eine Quelle der rituellen Unreinheit angesehen. Hinsichtlich der Dauer des Kindbettes macht das Gesetz einen Unterschied, je nachdem ein Knabe oder ein Mädchen zur Welt gebracht worden ist. Vom Standpunkte der modernen Medicin lässt sich -kaum eine rationelle Erklärung für diese Unterscheidung ausfindig mache» : das Motiv, das ihr zu Grunde liegt, muss daher der Reihe der religiös-symbolischen zugezählt werden. Merkwürdig ist es, dass ein Unterschied in der Dauer der ״Reimgiingsperiode“ nach der Geburt von Knaben und Mädchen auch in den Werken des Hip pocrates sich findet, und zwar wird dieser Unterschied in Abhängigkeit gesetzt von der grössere» Zeitdauer, welche die Ausbildung des weiblichen Embryo als die des männlichen beansprucht F. Die Menstruati01.1. weiche zwar eine rein physiologische Erscheinung ist, wird dennoch als (‘’me der wichtigsten Quellen der rituellen Unreinheit betrachtet. Als solche galt sie, nach dem Zeugnisse der Bibel, schon lange vor der *) Hippocrates —, De natura pueri V. Mein־ darüber iu moineni Werke: ״Die normale und pathologische Anatomie des Talmud‘1, flistorische Studien ans dem pliarmakolog. Inst, der Universität• Dorpat, herausgeg. von Dr. R. Kobert. Halle 1896, B. V S. 287 IT