Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 42 (1898)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Die Religionsphilosophie Abraham Ibn Esra's
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 446 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829713-2829724-2881535--28853-2881563- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
DLü Keligionsplrilosopliie Abraham Iba Esra's, 446 Allein innerhalb der entern Sphäre seines Daseins, also auf der Erde, ist der Mensch in der That das vorzüglichste Geschöpf und erscheint als das letzte Werk göttlichen Schaffens, nachdem alle anderen irdischen Dinge zu seinem Gebrauche und zu seiner Veredelung und Vervollkommnung in Bereitschalt gestellt waren (gangb. Comm. zu 1. Mos. 1, 26). Dieser Vorzug des Menschen, wird bei dessen Schöpfung klar ausgesprochen, indem er da als Ebenbild Gottes oder genauer als Ebenbild der Engel (צלם אלהים) bezeichnet und hiermit seine Gottähnliclikeit festgestellt wird. Innerhalb einer Weit vergänglicher Einzelwesen, von denen nur die Arten dauernden Bestand haben, ist der Mensch Gott und den Engeln dadurch ähnlich, dass m* auch als Einzelner unvergängliche Dauer erlangen kann, weshalb Gott denn auch (1. Mos. 1, 26) zu den Engeln sagt(‘: Wir, ch ln ich und ihr, wollen einen Menschen in unserem Bilde nach unserer Aehnliehkeit machen (Kalenderbuoh, S. 19b: Jes. mor., VII, S. 27a; fVgm. Comm. zu 1. Mos. 1, 26, p. 32, Z. 4 ff.) Hierauf gründet auch die hl. Schrift die Unverletzlichkeit des menschlichen Lehens (1. Mos. 9, 6 nach Jcs. mor., VIII, 31a). Um den Ausdruck der heiligen Schrift für den Vorzug des Menschen dem Verständnisse näher zu bringen, bemerkt iE zunächst, der Ausdruck ״in unserem Bilde1‘ (בצלמגו) sei als Anthro סין mor phismus zu verstehen, da der Mensch von über und unter ihm stehenden Wesen nothwendig in menschlieber Sprache rede (vgl. oben S. 64 f.). Die so bozeichnete Gottähnliclikeit erläutert nun IE durch eine aus der griechischen und hellenistischen Philosophie stammende und zu den Arabern gelangte Benennung des Menschen, die gleichfalls dessen Vorzug ausdrückt. Der Mensch heisst hiernach ״die Welt im Kleinen“, jjazpöc; ־/.ccrp.0?, später Mikrokosmus, עולם קטל (ob. S. 202). S. auch Kalenderbuch, S. 9b, Z. 31, den Coimn. zu ויוצר־ רוה אדם בקרבו Sech. 12, 1 und das Gedicht ישגי לב in .Seht jeter, ed. Lippm , S. 35 l>. (Reime und Ged., II, S. 23) Wie nämlich das Weltganzo in seinem sinnlich wahrncliinbaren Th'cile einen aus verschiedenen Elementen zusammengesetzten Körper bildet, der vom göttlichen Geiste belebt und erhalten wird, in und durch ihn allein besteht und von seinem Dasein und Walten u33s eine wahrnehmbare Darstellung bietet: so besteht auch der Mensch auf Erden aus einem Leibe, worin die vier Elemente zu bestimmter Gestalt sich verbunden haben (S. 402), und aus einer dem Himmel entstammenden Seele, die ihn trägt, belebt, erhellt und durchleuchtet, erhält