Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 42 (1898)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Über zwei dogmengeschichtliche Mischnastellen
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 342 (sequence 6)
- Language
- German
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342 Ueher zwei dogmengoschichtliehe Mischiinstollen. Gebctsformcl uusdn’icklieh als dem chri.stlichen Kitual entstammend verurtheilt wird1), so dürfte auch die Deutung des Gesetzes vom Vogelnest, die an sieh mit dem ►Schriftwort sein* wohl vereinbar wäre, mir deshalb abgelehnt worden sein, weil sie auf dem Hoden der allegorischen .Schriftauslegung des Christenthums erwachsen war-J. Wir glauben somit den Nachweis geführt zu haben, dass sieh der Ausspruch des 1b Eleasar aus Modim in seinen beiden letzten Kategorien mit hoher Wahrscheinlichkeit auf das ,ludenehristentlmm beziehe. Wie verhält, cs sieh nun aber mit den drei ersten Kategorien? Was zunächst die erste : הכיהלל אה הקרשים betrifft, so könnte gegen sie das kritische Bedenken erhoben werden, dass für einen im zweiten Jahrhundert nach der gewöhnlichen Zeitrechnung lebenden Autor wohl kaum eine Veranlassung Vorgelegen habe, sieh gegen di(‘ Entweihung de!־ Opfer oder Tempelheiligthümer — denn an solche hat man doch dem Sprachgebrauch gemäss, bei קרשים zu denken — mit solcher Entschiedenheit auszuspreehen. Diesem Bedenken hat vielleicht auch die Variante, die für השהלל אה הקרשים die Lesart הכוהלל אה השבה• ה substituirt, ihre Entstehung zu verdanken.:;) Das AuiVüllige schwindet jedoch, wenn man sich die Thatsache ins Gedächtnis« ruft, dass den Juden vom Kaiser Hadrian die Erlaubnis« zum Wiederaufbau des Tempels gegeben ward(1. ') Schon von Joel ist darauf hing('״ wiesen worden, dass die veränderte Stellung, welche die (lesetzes- בבנרד אי;י עובר אף יחף רא יעבור. .,Wer da sagt: ich trete nicht vor die Lade hin in bunten Gewänden), der soll auch nicht in weisscu hintreten: ich trete nicht in Sandalen hin, der soll auch )licht, hnrfüssig hintreten.‘’ Dazu im Talmud b, fol. 24 b: מ״מ חיישען שבזה מעות נזרקה בו ,,Was ist der Grund? Weil wir fürchten, dass er dem Christentlmm verfallen sei?‘ Mischna. das. נהגה ״ ער מצהו או על פס ידו הרי זו דרך המעותWer (die Pliilakt»M’Ie!1) auf die Stirn legt oder auf die Handiliiche, das ist christlicher Brauch.‘1 ״ האומר יביבוך מומים הרי ז דרך המינות (יWer da sagt: es begrüssen dich die Guten, das Lst christlicher Brauch.*־ ־) Vgl. Weiss, ״1 דור דור ידורשיו S. 237. ף׳ Abot d’ K. Natan cap. 2(>. Die Tosoftu Sanhodrin XII. 9 scheint die beiden ersten Kategorien der Misehna Abot in die eine הפורק עוד zusammenxufasson (vgl, oben iS. 302, An merk, 2); ebenso die Baraithu Schehuoth 101. 13a: תניא רבי אומי כ* עכירות שכתורה בין עשה תשובה בין דא עשה תשובה יום הכפויים מכסי חוץ מפורק עוז5 ומניה פגיט בתורה ומפי ברית בבשר שאט עשה תשוב ה יום ה: בורים מכפי ואט דאו אין ,יוט הכפוריט בוכפי ‘) Selbst nach der Ansicht Schürers (1 S, 533 lg,); der die Ueberiieferung von der durch. Hadrian gegebenen Erlaubniss zum Wiederaufbau des Tempels, wie ich glaube, mit nicht zureichenden Gründen für eine blosse Legende erklärt, bleibt doch die Thatsache bestehen, dass zur Zeit des Barkochba-Äuf- Standes die Wiederherstellung des Tempels geplant wurde.