Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 42 (1898)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Über zwei dogmengeschichtliche Mischnastellen
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 292 (sequence 4)
- Language
- German
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292 L’eher zwid dogmeiigc.sehiehtlielie Miseluiastcllen. .stimmt(‘]* Glaubenssätze vor jeder (!ofährdung sicherziistellen. ]n der negativen Fassung unserer Misehna aber spiegelt sieh der rharakter der in ihr nufgestellton Nonnen als' Kampfmittel gegen di(‘ das religiöse Leihen bedrohenden Zeitströmungen uoeh klar und deutlich wieder. Dieser Eindruck wird noeli verstärkt, wenn wir die von der ilischna auigestellten Kategoriccu genauer ins Auge fassen. Wäre es unserer Misehna um eine systematiselu* .\ufstellung־ derjenigen Glaubenslehren zu thun, deren Verwerfung von der Zugehörigkeit zur Gemeinsehaft des Judenthunis oder von der Theilnaluue an der ״zukünftigen Welt״ aussrldiosse, so dürften wir mit Fug und 1 {echt, erwarten, dass in erster Reihe das Bekenntniss zum jüdischen Gottosglaubeu oder, negativ ausgedriiekt, der Abfall zum (*otzemlienst genannt werde1). Hass diese oberste 1! rundh*hr(‘ d(*s Judenthums hier miheriieksiehligt geblieben ist. dagegen einige andere Kategorien!» n tilge führt werden. die• im Vergleieli mit jener von viel geringerer Bedeutung sind, dafür kann es meiner Ansieht nach keinen anderen Grund gehen, als den, dass unsere Misehna eben aus einem» Xenbediiriniss hervorgegangen ist und die Tendenz hat., den Lehrinhalt des Jmlenthums vor denjenigen Anfechtungen zu schützen, die damals in!)(,sonders bedrohlicher Gestalt׳ hervorgetrete 11 waren. Wir werden demnach in den von unserer Misehna aufgestellten Kategorieen solche Anschauungen zu erblicken haben, di(‘ sieh mit dem überlieferten Lehrinhalt des .1udenthums in Widerspruch setzten, deren Vertreter aber noch immer die Zugehörigkeit zum JudentUmn für sich in Anspruch nahmen. Der dadurch dem religiösen Bewusstsein drohenden Verwirrung will die iMisclma Vorbeugen, indem sie die Vertreter dieser Anschauungen als bereits ausserhalb des Judenthunis stehend kennzeichnet. Sie thut dies unter Anwendung der Formel: ״Diese haben keinen Anteil an der zukünftigen Welt", weil es vermuthlich unter den damaligen Verhältnissen an jeder Handhabe fehlte, eine reehtsgiltige Ausschliessung* aus dem Verbände des Judenthums herbeizufühivn. Was unter dein h So heisst es in der Tliat Tosefta IVa ], 2: 3עד אלו דבייש נפרעין כ!ן האד בעורב הזה והעדן קייבז- דו רעודש הבא: עי עבודה דדה ועד גרו' עדייה ועל עפיבוה דמיה- ,,Folgende Dinge werden an dem Menschen schon in dieser Welt heimgesueht, während die eigentliche Vergeltung der zukünftigen M'elt Vorbehalten bleibt: Götzendienst, Blutschande und Blutschuld Hier werden diejenigen Vergehungen genannt, die auch sonst als die alierschwersten Sünden bezeichnet werden, deren man sich selbst dann nicht schuldig machen dürfte, wenn es die Er* haltung des eigenen Lebens gilt.