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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1898-01-01 · Heft 4 · p. Seite 183

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
42 (1898)
Issue
Heft 4
Article
Zum Jubiläum des ersten Talmuddrucks in Deutschland
Date
1898-01-01
Page
Seite 183 (sequence 4)
Language
German
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Zum Jubiliium des erstem Talmuddrucks in Deutschland. 183 laut Ratsverbot vom 7. März Ki87 durften nämlich die Juden keine offenen Messgewölke gegen die Strasse zu benutzen, sondern mussten in ihren Stuben und Kammern verkaufen1) — und bereits einen grossen Teil der Exemplare abgesetzt, über 1000 Thuler baar eingenommen und aut' mehr als 1200 Exemplare Neubestellungen erhalten, als Gottschalck endlich erfuhr^ was vorging. Er wollte es nicht glauben, dass mau die Kühnheit soweit trieb, unter seinen eigenen Augen. . denn er war selbstredend gleichfalls zur .Messe anwesend — seine Rechte so rücksichtslos hintanzusetzen; er schickte zu Schotten hin, um ein Exemplar zu kaufen, und wirklich, für () Tluiler wurde ihm der neue Amsterdamer Druck ohne weiteres ausgehandigt. Das war ihm denn doch zu stark! Voller Empörung richtete er am 20. Mai 1715 ein geharnischtes Schreiben an das Biieherkommissarint־ in Leipztgv die für alle■ Pressangelegenheiten eingesetzte Behörde, deren Vorsitz damals in den Händen eines streng orthodoxen Geistliehen, des Doetors der heiligen Schrift und Professors an der Universität, Johann Schm id * *־'), lag und verlangte auf Grund seines beigeiugten sächsischen Privilegiums, dass ״alsofort und ohne einigen Zeitverlust4‘ Schotten wegen Vorgchens gegen kaiserliche und fürstliche Befehle verhaltet, sein neues Pränumemntenverzeiohnis wie alle Talmudexemplaro ihm abgenommen, und die Zahlung der verwirkten Strafe wie aller ihm selber verursachten Schaden und Unkosten nachdrücklich von jenem eingefordert werde. .Der Brief des königl. preuss. Glasfaktors und Gericlitsassessors — diese Titel und Ämter hatte sich Gottschalck in den Zwischenjähren erworben — blieb nicht ohne Eindruck auf das hochwürdige Büclierkommissariat. Dm• Büchcrtiskal Bittorf wurde sofort andern Tags in die Wohnung des Denunzierten heordert, wo er noch 70 Exemplare nebst einigen Defekten vorfand, mit Beschlag belegte und nach dem Rathaus in Ver- Währung brachte. Aber damit war Gottschalck nicht zufrieden; denn noch am selben Tage richtete er wiederum an die Bücherkommissarien das Verlangen sofortiger Verhaftung Schottens, Herbei Schaffung des Pränumerantenverzeichnisses, ja sogar genauer Feststellung der schon vertriebenen Exemplare, um die Hohe der Strafe bestimmen zu können. Am י) Archiv der Stadt Leipzig, Sign. LI, 3. *) s. über ihn Jöcher, Lexikon IV, 292; Allg. deutsch© Biographie Bd. 31, S. 670.

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