Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 42 (1898)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die italienische Litteratur der Juden
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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164 Die italionischü Litteratur dur .ludנוס. Di!‘ Kabbala verfügte ahoi* nicht bloss über sachliche Escamotugen, sondern über zwei unberechenbar reiche Mittel, welche schon die alte jüdische Homiletik, wahrscheinlich anfangs nur spielend, dann immer mehr ernstlieh in Anweiidun# bracht(.‘, nämlich Buchstaben Verwechslung und Anwendung der Buchstaben als Ziffern, ,wodurch gleichwcrfcliige Werter idcritificirt ,werden konnten. Eine weit״ gehende, eigentlich unbeschränkte Anwendung dieser Mittel gestattete jede beliebige Metamorphose eines Textes, und der Witz, der anfänglich sieh darin gefiel, verwandelte sieu geradezu in Aberwitz, der darin eine Prärogative und ein Zeugniss der ״hohen Weisheit״ erblickte, die allmählich auf eine besondere Gnadenwirkung (שפע, ähnlich Emanation, bei den Philosophen für die Wirkung dm’ Intelligenzen) zurückgeführt wurde. Das!Mittel ward aber zuletzt Selbstzweck, und wenn der indische Mystiker und Pantheist im Nirwana, a. h. in der Aufhebung des Selbstbewusstseins, die ein Uncingeweihter ״Blödsinn“ nennt, sein angestrebtes Ziel erreicht: so hat die Kabbala des 16. Jalirln, welch(‘ Isak Loria und seinen Famulus Chajjim Vital als ihre Meister verehrt, es dahin gebracht, dass man vor lauter Buchstabenlind Zahlkunststüeken unabsichtlich in einen litterarischen Blödsinn vorfällt. Ich fordere hiermit denjenigen auf, der diese Benrtheilung unge echt tindet, eine Seite aus den jetzt reichlich zugänglichen Schriften dieser Schule zu übersetzen und zu erläutern; auf die Entwicklung eines Gedankensystems verzichte ich von vornherein, indem ich behaupte, die Geheimlehre Loria's ist nichts als eine Gehe im leere hinter einem Bollwerk von Buchstaben, Zidern und Formeln, welche um die Aeonen (Schrot) aufgeworfen sind, ohne auch nur einen selbständig'en Gedanken zu erzeugen. Bei der Bearbeitung meines Catalogs der Bodlciana fragte ich Josef Zedner, dein auch der rigoroseste Jude jede ״Pietät“ zugestehen musste, über den Unterschied zweier Schriften von Chajjim Vital; seine kurze Antwort, die ich noch autbewahrt habe, lautete wörtlich חלים פרעה אחר היא (Gen. 41, 20). Ich will gleich liier bemerken, dass der Chassidismus hier nicht in Betracht kommt, weil er aus seinem barbarischen Vaterlande nicht in das gebildete Italien dringen konnte, so wenig als sein Begleiter, der Schnaps. Wenn die Kabbala ältere Mittel verwendete, so erzeugte das allmählich die irrige Voraussetzung, dass auch in den älteren Quellen hinter den Wort- und Zahlspielereien eine