Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 42 (1898)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die italienische Litteratur der Juden
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 2)
- Language
- German
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Die italienische Littoratur der Juden. 103 wird ja Niemand zum Lesen gezwunden I Nächstenliebe wirft .ihre11 ׳ Mantel über alle Sünden (Sprüche 10, 12): Geschichte hat Nichts zu bemänteln! — Die Büchccfuhrikation des Moses de Leon ist von dom Zeitgenossen Isak aus Akko bezeugt1 2). Aber auch Erfinder und Fälscher sind nicht Schöpfer aus Nichts, und sie mussten den neuen Trank in alte. Gelasse giessen. Welche waren die Mittel, wodurch man die neuen Theorien so zu sagen ״uationalisireir* könnt(‘? Es giebt auf dem Boden der Religion ein ITiiversaimittel für alle Bedürfnisse des Geistes, es heisst Auslegung, welche oft besser Gnterlegiuig hiesse. Die Homiletik ist das Gegenstück vom Jugendbruimcn, der Altes jung macht; sie weiss Alles unterzubringen, man ..stellt, ('s in den ״פסוק-), wie die. jüdisch-deutsche Fbrase zuletzt lautet(*. Die Kabbala im engeren .Sinne trat gleich von Anfang ‘in der hingst bekannten. Form des;:דרה auf, welches ursprünglich ,,forschen״, dam! erforschen, erklären, auslegen, zuletzt gewerbsmässiges Predigen hiess, also in seiner eigenen Geschieht(*, sieh selbst beleuchtet. Kein Zauborstab vermochte so schindle und gewaltige Verwandlungen zu bewirken, als das Wort des Darsekau, der nicht einmal auf eine einzige Sprache angewiesen war, und die Kabbala fand es aus vorsehiedonen Gründern rathsam, di(‘ ehaldäischc oder gemischte vorzuziehen, alte oder nein,‘. Fremdwörter zu einer eigenthümliehen Terminologie zu entwickeln — das that schon die alte Magie und thun noch heute unsere natürlichen Magiker; wir kommen auf die Macht dos Wortes noch zurück. — Der sprachlichen Erörterung Luzatto’s gegenüber vorschwinden die Sophismen Bemuuozog s und die Deklamationen des Verf. von עגה כסיל (Livorno LSfmJ. 1) Interessant ist folgende Thatsaehe: Der spater verketzerte Isak Aibala. der den Mutli hatte, vo:: idaimonidos zu sagen, was Averroes gegen Gazzali verbringt, dass er der Philosophie wie der Religion gleich geschadet habe, bekämpft die Kabbalisten, weist aber in einem allerdings sein־ auffülligen Epigraph den Leser, der von der Philosophie nicht, befriedigt־, ist, an drei gleichzeitige Kabbalisten (die hehr. Uebersetz. S. 305). Albalajfs Fortsetzer, der gläubige Isak Pulgar 1308־), setzt sieh in seinem antichristlichen עזר הדת mit den Kabbalisten auseinander und weist sic mit •den Worten ab: ויעיזו פגיהס להשוות וליהדנזות בפורי הבליהם לספד־י הקדש (Rew des Et. J. XVIII, 60). Damals kannte man noch den Ursprung der sogen. Kabbala. 2) Auch dafür giebts einen Volkswitz. Ein Vater bittet iür seinen Sohn bei dem befreundeten künftigen Lehrer um irgend eine Vergünstigung und wird mit Vorwänden abgewiesen; zuletzt bittet er, den Koffer vorläufig aufzubewahren. «Ich habe keinen Platz“ lautet die abschlägige Antwort, ״Nun“ erwidert der erbitterte Vater, ״Ihr stellt doch Alles in ־den פסוק, da wird auch Platz für den Koffer sein.“