Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 42 (1898)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die italienische Litteratur der Juden
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 1)
- Language
- German
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162 Die italienische Ditteratur der Juden. Sie Italieiissks Ltttsrafir i@r Jude!. Von Moritz Steinschneider. (Fortsetzung. Es soll hier das Verhältniss der 'italienischon Juden zur Kabbala vom culmrlnstoriselicu Standpunkt aus kurz he-!(‘lichtet werden. Wer von ..Kabbala“ spricht, muss vor Allem seinen Begriff davon klarlegen. Was hat inan nicht Alles mit diesem, pathetisch gewordenen Ausdruck bezeichnet, vom ,,Erhabenen bis zum Lächerlichen“, von verborgener Weisheit bis zu offenbarem Aberwitz. Die! ursprüngliche Bedeutung von K. als einer auf anerkannter Autorität ruhenden Uoberiiefenmg von gesetzlicher Geltung und thatsäehlieher Anwendung־ ist erst im XU L Jahrhundert auf cdm״ dem Jadenthum fremde, dem Aristotelismus unter Entlehnung einzelner Moment«*ן) gegenübergestellte Theosophie und Weltanschauung übertragen. Vor dieser Zeit wird der Ausdruck קבלה auf speeuiative Dinge nicht ang־ewendefc, selbst nicht von denjenigen, di(* an eine alt«* jüdische speeuiative Erkermtniss glauben, wie z. B. Maimonidos, der eine solche sogar dom Abraham beilegt (Moren II, 13), Man sollt«* daher diese Zollgrenze für die Anwendung des Wortes beachten. Wer das Buch Sohar nicht dem Simon b. Joehai beilegt, darf von einer alten Kabbala nicht sprechen; im Interesse christlich(‘!־ Gelehrten, welche, den Spott gegen die Trinität nicht herausfühlten, auf welchen .Tellinek hingewiesen, lag es, die Spuren derselben in einem vermeintlichen Altertlmm aufzufinden. Die. Kabbala hat Keuch 1 in und Andere, selbst Prinzessin Antonie zum Ilcbraiswus geführt (J־ew. Quart, Rev. VIIL 445. IX, 501, 517). Mit der blossen psoudepigraphischen Beilegung kabbalistischer Schriften wäre es nicht gelungen, den Unterschleif und Schwindel glaubwürdig zu machen — ich werde solche starke Ausdrücke nicht scheuen, wenn sie unserer heutigen Anschauung entsprechen; hier wäre ״Pietät“ nicht bloss unwissenschaftlich, sondern ein weiterer Vorschub für eine Art frömmelnder Duselei, welcher jede Klarheit unbequem oder beunruhigend ist; wozu Geschichte überhaupt für schwache empfindliche Gemüther? Es wird י) Diese Entlehnungen sind meines Wissens nach nicht genügend erkönnt, vielweniger zusammengestellt.