Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 42 (1898)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die italienische Litteratur der Juden
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 4)
- Language
- German
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Zum Jubiläum des ersten Talmuddrueks in Deutschland, 83 zu steilen. Der Kontrakt wurde' zu Anfang des .Jahres 1696 in Dessau selbst abgeschlossen, und das gesamte Druckmaterial an fertigem Satz, Lettern und Pa ן )im* dorthin geschafft. Die Freude der Frankfurter, das grosso Unternchuien glücklich geborgen zu sehen, war aber von kurzer Daum*. Sehen am 16. September desselben Jahres wurde der Kontrakt auf Veranlassung der Familie Wulff wieder rückgängig gemacht; äussere; Schwierigkeiten, vor allem wohl der Slangei an geeigneten Arbeitskräften, hinderten das Fortschreiten des .Drucks und Hessen auch für die Folge nur ein äusserst langsames Vorrücken erwarten, so dass schon von vornherein unerträglich (ל Verluste bei einem Werke eintreten mussten, das in Anbetracht, der ausserordentlichen Kosten ohnedies nur einen ideellen Vorteil einbringeu konnte. So wunderte denn der Talnuiddruck wieder nach Frankfurt zurück. Die Wulffs mussten nicht nur das Versprechen gehen, dem Fortgang der Arbeit keinen Nachteil durch ihre eigene Druckerei zu zu fügen, .sie mussten sich auch noch eine Schadenersatzklage gefallen lassen, die.!Seemann gegen sie anstrengte, Das ganze Unternehmen seinen jetzt wieder in Frage gestellt. Da erschien den Frankfurtern ein neuer Retter in der Not: es war der durch stamm wohlthätigen und hülfsbereiten Sinn weitbekannte polnische Resident. Borend Lohmann in Halber stadt *)• Weit, vermögender als Wullf in Dessau, könnt(‘ er viel eher das Ucsiko grösserer pekuniärer Verluste zu Gunsten einer solch’ heiligen Sache aut sich nehmen. Kr wurde schnell mit Recmann handelseinig. Gegen eine Entschädigungssumme von 300 Reiehsthalorn üboriioss letzterer das begonnene Werk dem l lalberstädter Mäcen1*), der auf eigene Kosten den Druck so schleunig als möglich zu vollenden befahl. Jetzt, wo die Geldmittel reichlich vor- }mrulen waren, kam auch die: Sache schnell in Fluss. Drucker, Setzer, Korrektoren und andere Arbeitskräfte waren sofort zur Stelle. Gottschalek selbst leitete dem Druck; Becmaim ‘)!Jeher ihn s. Auerbach, a. a. 0. S. 43 ff.. Lehmann a, a. 0. Die Erzählung Auerbachs S. 50, dass Lehmann schon 1G92 den Kurfürsten von Brandenburg bei der Huldigung in Halberstadt um die Erlauhnis geboten habe, den Talmud in Frankfurt an der Odor drucken zu dürfe», gehört in den Sagenkreis, der sich um seine Person gebildet hat. Unsere Darstellung folgt dem noch zu erwähnenden eigenhändigen Bericht Lehmanns an den Kurfürsten von Sachsen. Resident übrigens r=. Gesandter. ף Dies, sowie die Geschichte aller folgenden Verwicklungen nach einem Aktenstück des Archivs der Stadt Leipzig zu Leipzig, Sign. XLVI, 289, dessen Benutzung ich der frdl. Erlaubnis des Herrn Prof. W ustmanu verdanke.